Er ist ein junger, ruhiger, sehr umgänglicher Typ. Ein angenehmer Zeitgenosse, der mit all seinen Mitmenschen gut klarkommt. Er verbringt viel Zeit mit seiner Familie, seiner Freundin und seinen Freunden. Danilo Wiebe ist ausrechenbar – könnte man schnell denken. Unterhält man sich jedoch etwas länger mit dem sympathischen 21-Jährigen, offenbart der südländisch wirkende Neuzugang auch ganz andere Seiten, die man von ihm so zunächst nicht erwarten würde. Am Dienstag verlängerte er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2018.

“Zum Schwein werden”

„In 90 Minuten kann es durchaus vorkommen, dass man sich mit den Gegenspielern in die Haare bekommt. Auch im Training kann man mit seinen Mitspielern aneinander rasseln. Auf dem Platz darf man auch mal zum Schwein werden, aber im Nachgang sollten solche Auseinandersetzungen wieder aus der Welt sein“, erklärt der vermeintliche Sonnyboy, der – wie beim SCP auch – schon immer zwei Spitznamen hatte: „Beim Fußball wurde ich oft „Nilo“ genannt, in der Schule wurde ich fast nur mit „Danny“ angesprochen.“

Geboren ist Danilo Wiebe in Siegburg, im Süden Nordrhein-Westfalens. Seine Wurzeln liegen aber nicht nur in der Metropolregion Rhein-Ruhr. Denn im Teenageralter kamen seine Eltern, die beide in Kasachstan geboren und deshalb auch der russischen Sprache mächtig sind, nach Deutschland. „Ich selbst beherrsche die Sprache leider nicht. Viele denken, dass ich durch meinen Vornamen eher aus einem südlichen Land komme, damit liegen die meisten aber falsch“, wird in seinem Elternhaus überwiegend deutsch gesprochen: „Nur wenn wir Kinder etwas nicht verstehen sollten, es um Geschenke oder andere Überraschungen ging, haben meine Eltern ins Russische gewechselt“, gesteht der 21-jährige Adlerträger schmunzelnd.

Dankbarkeit & Wertschätzung nach „Seuchenjahr“

Angefangen bei seinem Heimatklub SSV Kaldauen und nach einer Station beim Bonner SC, wechselte der Rechtsfuß 2009 zum 1. FC Köln. Dort durchlief Wiebe die Nachwuchsmannschaften der Rheinländer, wurde mit den Geißböcken deutscher B-Jugend-Meister (2010/11) und deutscher A-Jugend-Pokalsieger (2012/13). „Das waren auf jeden Fall meine bisherigen Karriere-Highlights. Großartig, so etwas mal erlebt zu haben.“

Mittelfeldmann Wiebe, der zu Saisonbeginn von einer Domstadt in die andere gewechselt ist, fühlt sich wohl an der Hammer Straße – trotz Konkurrenz. Auf seiner Position hatte er schon in der Jugend starke Mitspieler, gegen die er sich durchsetzen musste. Nach einem persönlichen „Seuchenjahr“ muss die Nummer 21 der Preußen momentan zwar mit einem Muskelfaserriss aussetzen, dennoch ist Wiebe dankbar: „Nach meiner langwierigen Adduktorenverletzung habe ich noch mehr gelernt, den Sport zu schätzen“, achtet der 21-Jährige seitdem besonders auf seinen Körper sowie Trainingsvor- und Nachbereitung.

Danilo Wiebe ist nicht der erste deutsche Fußballer, der in Siegburg geboren ist und später beim 1. FC Köln gespielt hat. Auch ein gewisser Wolfgang Overath, der in Wiebes Nachbardorf groß geworden ist, kann das von sich behaupten. Mittelfeldspieler Overath wurde 1974 Weltmeister im eigenen Land und später Präsident des Geißbock-Clubs. Wo der Weg von Danilo Wiebe hinführt, wird sich zeigen – bis zum 30. Juni 2018 ist jedoch das Preußenstadion erstmal seine fußballerische Heimat.

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