Best of three, das war die Abmachung. Dann warteten 280 packende Minuten, bevor die Entscheidung feststand. Nils Körber und Moritz Heinrich hatten sich bei ihren Fifa-Duellen einen neuen Anreiz geschaffen, setzten dafür ihr Haupthaar aufs Spiel. Bereits nach zwei Partien war vorzeitig klar: Der Keeper der Preußen hatte gewonnen – und durfte dem Flügelspieler einen neuen Kurzhaarschnitt verpassen. „Anfangs war es noch ein Spaß, dann wurde aus der Idee eine ernste Geschichte. In der Mannschaft hatten bereits mehrere überlegt, sich die Haare kürzer zu schneiden. Und so war es eine lustige Sache“, muss Heinrich lachen, während er das Rätsel um die verlorengegangenen Haare auflöst. Sein Glück: Im Rückspiel konnte sich der 20-Jährige durchsetzen, durfte seinerseits Körber vor den Augen mehrerer Mannschaftskollegen eine neue Frisur bescheren. „Zum Glück, sonst hätte ich jetzt vielleicht keine Augenbrauen oder keinen Bart mehr“, hatten die Beiden ihren Spaß an der Aktion.

Man merkt dem offenen und sympathischen Rechtsfuß schnell an, dass er sich in der Mannschaft und auch in der Stadt bestens eingelebt hat. Dabei brauchte Heinrich nach seinem Wechsel im Sommer ein bisschen, bis er sich nach seinem Umzug in Münster eingefunden hatte: „Sportlich passte es direkt, das Team hat mich super aufgenommen. Gerade am Anfang war ich aber nach den Trainingseinheiten viel zuhause, habe mich um meine Wohnung gekümmert und mich viel mit mir selbst beschäftigt.“ Das änderte sich aber schnell, mittlerweile ist der in Waldtrudering Geborene viel mit Nils Körber und Martin Kobylanski unterwegs, auch abseits des Platzes voll angekommen. Und sportlich kommt der 1,80 Meter groß gewachsene Flügelspieler auch immer besser in Fahrt: Heinrich stand in den letzten Spielen öfter in der Startelf, erzielte in Paderborn seinen ersten Treffer für den Adlerclub. „Der Treffer hat mir zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Ich traue mir im Spiel und in den Einheiten wieder mehr zu, das merkt auch der Trainer“, will Heinrich diesen Aufschwung in den kommenden Wochen fortsetzen: „Ich bringe Dynamik mit, bin selbstbewusst in Eins-gegen-Eins-Duellen und versuche dadurch Torgefahr zu erzeugen.“

Dabei war die Entscheidung, im Sommer zu den Preußen zu wechseln, für den Jungspund keine einfache: 15 Jahre hatte Moritz Heinrich beim TSV 1860 München gespielt, durchlief dort alle Jugendabteilungen und war zu den Profis aufgerückt. Gleich darauf lernte der damals 18-Jährige aber das schnelllebige Geschäft hautnah kennen. Fußballlehrer Benno Möhlmann war es bei den Löwen, der Heinrich hochholen wollte. „Eine Woche nach meiner Vertragsunterschrift wurden dann alle Verantwortlichen rausgeschmissen“, wurde der Club auf links gedreht und das Nachwuchstalent kam unter dem neuen Coach nie wirklich zum Zug. Das bedeutete für den jungen Heinrich eine Saison bei der U21 in der Regionalliga, da half auch ein erneuter Trainerwechsel im Winter nichts. Es folgte im Sommer 2017 der sportliche Absturz des Vereins. Da die Lizenz für die 3. Liga nicht erteilt wurde, ging es direkt in die Regionaliga. Nachdem der dreifache Junioren-Nationalspieler zunächst nicht wusste, wie es weitergeht, fasste er für sich einen Entschluss: „Ich wollte einen Tapetenwechsel. In einem Verein, in dem du aus der Jugend hochkommst, wirst du den Status als Talent nie los. Ich wollte einfach was Neues“, war der Traditionsverein mit seinem alten Coach Benno Möhlmann die erste Adresse für Heinrich. Und die Hammer Straße hat sich bisher als neues Ziel gelohnt: „Die Kulisse ist top, die Art und Weise, wie uns die Fans im Preußenstadion unterstützen, ist super.“

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