Endlich wieder Fußball, endlich wieder Preußen, endlich wieder Derby! Die Vorfreude auf den langersehnten ersten Spieltag war in der Domstadt vor der Partie zu spüren und 11.530 Zuschauer fanden am Sonntagnachmittag ihren Weg an die Hammer Straße. Am Ende durften nur die 1.500 lila-weißen Gästefans feiern, denn der VfL Osnabrück konnte sich nach 90 Minuten mit 1:0 durchsetzen und entschied das Kräftemessen schlussendlich für sich.

Im Vorfeld der Begegnung wurde bereits viel spekuliert, welche Spieler Horst Steffen denn ins Rennen um die ersten Punkte schicken und welche taktische Idee der Fußballlehrer seinen Schützlingen mit an die Hand geben wird. Eine Stunde vor Spielbeginn lüftete der 47-jährige Coach dann sein gut gehütetes Geheimnis: Den Kampf um die Position zwischen den Pfosten konnte Routinier Max Schulze Niehues für sich entscheiden und erhielt den Vorzug vor Neuzugang Patrick Drewes. Die Viererkette bildeten von rechts nach links Denis Mangafic, Lion Schweers, Sebastian Mai und Jeron Al-Hazaimeh. Davor entschied sich der Preußentrainer – der zu Beginn auf  ein 4-1-3-2-System setzte – für Michele Rizzi, der die Fäden im defensiven Mittelfeld ziehen sollte. Im offensiven Mittelfeld sortierten sich Sandrino Braun, Edisson Jordanov und Sinan Tekerci ein. In vorderster Front stürmten Tobias Rühle, Adriano Grimaldi.

Savran bringt Osnabrück in Führung

Pünktlich um 14:05 Uhr eröffnete FIFA-Referee Deniz Aytekin dann die sechste Drittliga-Saison des SC Preußen und pfiff das Derby an. Und von Minute eins an peitschten die schwarz-weiß-grünen Fans im Preußenstadion die Adlerträger nach vorne und feuerten sie lautstark an. Mit den eigenen Anhängern im Rücken marschierten die elf Münsteraner in den Anfangsminuten viel, konnten aber keine Lücke im lila-weißen Defensivverbund ausmachen. Die beste Chance hatte in den ersten 20 Minuten noch Tobi Rühle, der Marius Gersbeck aus gut 16 Metern prüfen, aber nicht besonders herausfordern konnte.

Auf der anderen Seite hatten die Gäste aus Niedersachsen auch keine wirklichen Torchancen, sollten aber dennoch nach 24 Zeigerumdrehungen überraschend in Führung gehen: Marc Heider hatte auf dem Flügel Zeit zum Flanken und sein Zuspiel fand den Kopf von Halil Savran, der den Ball unhaltbar im SCP-Kasten unterbrachte – 0:1. Der Treffer sorgte für einen Bruch im Spiel der Hausherren und der VfL übernahm an der Hammer Straße zunehmend das Kommando. Die Preußen hatten in dieser Zeit einfach zu viele leichte Ballverluste zu verkraften und in der eigenen Vorwärtsbewegung fehlte die entscheidende Genauigkeit im Passspiel. Mit dem 0:1-Rückstand verabschiedeten sich die Münsteraner dann auch in die Kabine.

Preußen erst ohne Durchschlagskraft, dann ohne Glück

Mit einer neuen taktischen Aufstellung (4-3-3) und frischem Wind meldeten sich die Schützlinge von Horst Steffen schließlich nach 15 Minuten Pause auf dem Platz zurück. Im Zuge der Umstellung rückte Sinan Tekerci eine Position weiter nach vorne in die Dreierreihe, Edisson Jordanov wechselte aus der Zentrale auf den Flügel. Die Schwarz-Weiß-Grünen waren es – trotz des schwungvollen Beginns –  aber auch, die nach 55 Zeigerumdrehungen einmal ganz tief durchpusten mussten. Abwehrrecke Sebastian Mai spielte zweimal nacheinander einem einen Niedersachsen in den Fuß. Beim zweiten Anlauf fand Savran dann Kwasi Okyere Wriedt, der das Leder im Tor einschlagen ließ – zum Glück hob der Linienrichter aber die Fahne und die Domstädter kamen mit dem Schrecken davon.

In der Offensive fehlte es den Adlerträgern weiterhin an Genauigkeit und zwingenden Ideen. In der Defensive musste sich die Preußenelf zweimal bei Max Schulze Niehues bedanken, der innerhalb von zehn Minuten zwei Fehler seiner Vorderleute mit klasse Paraden egalisiert hatte. In der letzten Viertelstunde bäumten sich die Hausherren noch einmal auf und erarbeiteten sich Möglichkeiten, sollten aber glücklos bleiben. Denis Mangafic hatte nach 79. Minuten den Ausgleich auf dem Fuß, der Außenverteidiger traf aber nur den Pfosten. Kurz vor Schluss segelte dann noch ein Kopfball von Sebastian Mai knapp am VfL-Tor vorbei, das sollte aber die letzte nennenswerte Szene bleiben. Wenige Zeigerumdrehungen später war dann aber Schluss im Preußenstadion und die 0:1-Derby-Niederlage war besiegelt.

Die Trainerstimmen:

Joe Enochs: „Wir sind sehr froh, dass wir hier heute drei Punkte gewonnen haben. Es war das erwartet schwere Spiel, in das wir sehr gut hereingekommen sind und die Spielqualität der Preußen früh unterbinden konnten. In Durchgang zwei lassen wir dann zwei Chancen aus und stehen dann am Ende unter großen Druck. Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn dann der Ausgleich gefallen wäre.“

Horst Steffen: „Wir haben haben am Anfang gemerkt, dass die Mannschaft willig war zu marschieren. Das Gegentor führte dann zu einem Bruch in unserem Spiel und uns fehlte Spielkontrolle. Wir müssen noch mehr an Sicherheit gewinnen und das ganze muss in Stresssituationen weiter zusammen wachsen, dann werden auch unsere Ergebnisse besser.“

Die Spieldaten in der Übersicht:

Aufstellung SCP: Schulze Niehues – Mangafic, Schweers, Mai, Al-Hazaimeh – Braun, Rizzi (Warschewski, 85.), Jordanov (Jordanov, 60.) – Rühle, Grimaldi, Tekerci (Kara, 71.)

Aufstellung Osnabrück: Gersbeck – El Bouazzati, Pisot, Syhre, Dercho – Schulz, Groß – Heider (Hohnstedt, 87.), Wriedt (Kristo, 77.), Reimerink (Renneke, 57.)  – Savran

Tore: 0:1 Savran (24.)

Gelbe Karten: Jordanov / Schulz, El Bouazzati, Willers, Savran

Zuschauer: 11.530

Schiedsricher: Deniz Aytekin

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