Für fast fünfzehn Minuten stand der SC Preußen Münster auf dem deutschen Fußballgipfel, dann schlugen die Walter-Brüder gleich doppelt zurück. In einem unterhaltsamen und fußballerisch hochklassigen Meisterschaftsendspiel unterliegen die Adlerträger vor rund 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dem 1. FC Kaiserslautern mit 1:2 und verpassen somit ganz knapp die Schale. Die Pfälzer hingegen dürfen ihren ersten deutschen Meistertitel feiern.
Beide Teams hatten sich zuvor erfolgreich über die Endrunde für das Finale qualifiziert. Der FCK sicherte sich mit 9:3 Punkten souverän den Gruppensieg vor Schalke 04, der SpVgg Fürth und dem FC St. Pauli. Der SCP teilte sich die Spitzenposition zwar mit Rekordmeister Nürnberg, wies aber bei 8:4 Punkten das bessere Torverhältnis auf (22:16). Von der Offensivkraft des von Medien als „100.000-Mark-Sturm“ bezeichneten Angriffs zeigte sich Lautern-Trainer Richard Schneider offenbar beeindruckt und stellte seine Mannschaft defensiver auf. Anstelle des sonst bevorzugten 2-3-5 wählte Schneider ein 2-4-4-System.
Diese taktische Maßnahme schien zunächst aufzugehen. Trotz leichter Feldvorteile gelang es den in Weiß spielenden Münsteranern im ersten Durchgang kaum, zwingend vor das Tor von Karl Adam zu gelangen. Allerdings ließ auch Kaiserslautern die nötige Durchschlagskraft vermissen, sodass es torlos in die Kabinen ging.
So verhalten die erste Halbzeit auch verlief – nach dem Seitenwechsel nahm die Partie sofort Fahrt auf. Gerade einmal eine Minute war gespielt, als Felix „Fiffi“ Gerritzen für die umjubelte Preußenführung sorgte: Mit einer simplen, aber wirkungsvollen Finte ließ der Rechtsaußen erst Werner Kohlmeyer stehen und jagte den Ball anschließend mit einem strammen Schuss ins Netz (47.). Nur wenige Augenblicke später ließ Alfred Preißler das 2:0 liegen, sein Abschluss traf nur den Querbalken (48.).
Das hätte den „Roten Teufeln“ womöglich den Zahn gezogen. Stattdessen steigerte sich die Schneider-Elf und kam durch eine Zusammenspiel der Walter-Brüder zum Ausgleich. Nach einem starken Dribbling legte Fritz Walter für seinen Bruder Ottmar auf, der keine Sekunde zögerte und mit seinem schnellen Abschluss auch Preußen-Schlussmann Otto Mierzowski überraschte (61.).
Die Adlerträger erholten sich schnell von dem Rückschlag, ließen jedoch erneut gute Möglichkeiten ungenutzt. Das sollte sich abermals rächen. Diesmal servierte Fritz Walter den Ball von der Eckfahne in den Strafraum. Ottmar Walter, den offenbar niemand aus der Preußendefensive auf dem Schirm hatte, stieg am höchsten und köpfte zur ersten Lauterer Führung ein (74.).
In der Schlussviertelstunde stemmte sich der SCP noch einmal mit aller Kraft gegen die drohende Niederlage und warf alles nach vorne. Doch die Mannschaft von Trainer Willi Multhaup ließ ihre Chancen ungenutzt – die beste davon vergab Gerritzen in der 88. Minute aus kurzer Distanz – und scheiterte mehrfach am stark aufgelegten Adam.
Willi Multhaup (Trainer SCP): „Ich glaube, dass wir in Berlin bewiesen haben, dass wir eine wirklich endspielreife Mannschaft haben. Kaiserslautern war etwas glücklicher, hat jedoch ebenfalls eine meisterhafte Leistung geboten.“
Spieldaten
Aufstellung FCK: Adam – Rasch, Kohlmeyer – E. Liebrich, W. Liebrich, Jergens, Eckel, F. – Walter, O. Walter, Baßler, Fuchs
Aufstellung SCP: Mierzowski – Lesch, Schulte – Rickmann, Pohncke, Lezgus – Gerritzen, Preißler, Schulz, Rachuba, Lammers
Tore: 0:1 Gerritzen (47.) 1:1 O. Walter (61.) 2:1 O. Walter (74.)
Schiedsrichter: Adolf Reinhardt
Zuschauer: 100.000



