Als der SC Preußen im Februar 2020 auf die Würzburger Kickers traf, rückte das Sportliche schnell in den Hintergrund. Ein Zuschauer hatte den Würzburger Spieler Leroy Kwadwo rassistisch beleidigt. Das übrige Publikum reagierte, identifizierte den Täter für die Ordnungskräfte und setzte mit lauten Gegenrufen ein klares Zeichen: Im LVM-Preußenstadion ist kein Platz für Rassismus.
Ein Credo, so selbstverständlich, dass es natürlich in das Leitbild des Clubs aufgenommen wurde. Und ein Credo, das kein bisschen an Relevanz verloren hat, sondern tagtäglich gelebt werden muss. Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat die DFL daher zum TOGETHER!-Aktionsspieltag aufgerufen. Bereits im Vorfeld der Partie gegen den 1. FC Magdeburg hat der SC Preußen gemeinsam mit seinen Partnerschulen und der Stadt Münster in verschiedenen Workshops Lehrkräfte und auch Jugendliche für das Thema sensibilisiert. Beide Projekte wurden beim Heimspiel am Sonntag vorgestellt und stehen sinnbildlich für die antidiskriminierende Haltung, mit der sich jede Adlerträgerin und jeder Adlerträger zu identifizieren hat.
„Die Münsteraner Wochen gegen Rassismus und der DFL-Aktionsspieltag erinnern uns daran, dass Vielfalt unsere Gemeinschaft stärker macht. Beim SC Preußen Münster stehen wir für Respekt, Zusammenhalt und Offenheit – auf dem Platz, auf den Rängen im LVM-Preußenstadion und darüber hinaus“, betont Philipp Deipenbrock, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb des SC Preußen das Selbstverständnis des Vereins, der sich aktiv am gesellschaftlichen Einsatz gegen Diskriminierung beteiligen will: „Ob Initiativen, wie das „Modellprojekt Integration“, oder Workshops gegen Rassismus. Der SC Preußen Münster unterstützt vielfältiges Engagement und heißt alle willkommen, die den Adler im Herzen tragen und für Offenheit und Vielfalt stehen.“
In dieser besonderen Woche machte das von der Stadt geförderte Projekt „Fußball ohne Rassismus“ den Auftakt. Im LVM-Preußenstadion rückte Mona Kolbow, Lehrerin an der Rosa Parks Gesamtschule, die Perspektive betroffener People of Colour in den Mittelpunkt. Ziel war es, die 25 anwesenden Lehrkräfte der Partnerschulen des SCP für strukturellen Rassismus zu sensibilisieren und ihnen zugleich Handlungsmöglichkeiten mit auf den Weg zu geben. „Wir wollen Multiplikatoren gewinnen, die das Projekt weitertragen“, sagte Kolbow, Tochter von Traditionself-Koordinator Jürgen Wältermann und selbst leidenschaftliche Anhängerin des SCP. Im Stadioninterview mit Kerni betonte auch sie, wie wichtig es sei, sich aktiv gegen Diskriminierung zu positionieren – ganz egal, ob im Klassenzimmer oder auf der Tribüne: „Eine Schulklasse ist genau wie diese Fankurve hier sehr heterogen, ein echtes Abbild der Gesellschaft. Genau deshalb ist sie der perfekte Ort, um Anti-Rassismus wirklich zu leben.“
Und zugleich ein idealer Ort, um gegen Rassismus zu mobilisieren. „Ich glaube, ich muss niemanden erzählen, was für ein toller Ort das Stadion sein kann. Genau diese Faszination nutzen wir, um mit Schulklassen oder Jugendeinrichtungen über Themen ins Gespräch kommen, die im Schulalltag vielleicht etwas schwerer zugänglich sind“, erklärte Jan Becker, der ebenfalls im Interview mit Kerni zu Gast war. Becker sprach über die Arbeit des Lernorts Preußenstadion, der über das gesamte Jahr hinweg Workshops und Seminare zu bildungspolitischen Themen anbietet. Am Freitagabend referierte er gemeinsam mit seinem Kollegen Leo Heider vor etwa 20 jungen, interessierten Preußenmitgliedern zum Thema Rassismus. Eine starke Aktion, die einmal mehr belegt: Die Münsteraner Wochen gegen Rassismus finden nicht nur auf Plakaten statt. Es liegt auch an uns als Verein, sie mit Leben zu füllen – wie damals, im Februar 2020.



