In Spanien ist der 6. Januar einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Erst dann – und nicht an Heiligabend, wie in Deutschland üblich – werden die Geschenke verteilt und das Weihnachtsfest findet seinen Höhepunkt. Auf Geschenke brauchten die Preußen im Trainingslager allerdings am dritten Tag nicht zu hoffen – weder bei der morgendlichen Einheit, noch beim Test am Nachmittag.

Früher als üblich bat Preußencoach Horst Steffen angesichts des anstehenden Testspiels zur ersten Trainingseinheit. Das hieß dann auch: Früh aufstehen, bis 7.30 Uhr beim Frühstück sein, und dann hinaus in die Berge zum Trainingsplatz. 60 intensive Minuten hatten die Drittligaprofis dann vor sich. Auch heute galt: Immer wieder griff Steffen ins Training ein, analysierte und erklärte ganz genau, was er im Idealfall schon am Nachmittag beim Testspielauftakt gegen Standard Lüttich sehen will.

Bei perfekten äußeren Bedingungen, mit Temperaturen um die 18 Grad, ging es nach einer kurzen Mittagspause entlang der Küste ins Estadio Municipal de Marbella. Inmitten eines belebten Wohngebietes liegt das 7.500 Zuschauer fassende Stadion des spanischen Drittligisten Marbella F.C. Es mag auch am herrlichen Wetter gelegen haben, aber die in die Jahre gekommene Spielstätte hatte reichlich Charme zu bieten. Auch der Rasen präsentierte sich in tadellosem Zustand, wenn da nicht die Fläche hinter der Toraus-Linie gewesen wäre.

Eben jene Fläche wurde nämlich den Preußen – oder besser gesagt Philipp Hoffmann – zum Verhängnis. Erst zehn Minuten waren gespielt, da passierte das, was im Trainingslager eigentlich nicht passieren soll. Der Mittelfeldspieler verletzte sich und musste schon früh ausgewechselt werden. Im Laufduell musste er über eine Bande springen, blieb an eben jener hängen, und schlug mit dem Kinn auf dem rutschigen Boden auf. Glück im Unglück für den 22-Jährigen, dass Mannschaftsarzt Dr. Cornelius Müller-Rensmann zur Stelle war, um die Wunde mit drei Stichen zu nähen. Der Mediziner begleitet die Adlerträger bereits zum vierten Mal nach Estepona und sorgt so – neben den drei Physiotherapeuten – für eine optimale medizinische Versorgung.

Trotz dieses ersten Schreckmoments wussten die Preußen gegen den zehnfachen belgischen Meister zu überzeugen – auch wenn die Partie mit 0:1 verloren ging. Denn die Adlerträger schafften es durchaus, erste Ansätze aus dem Training auch auf dem Platz umzusetzen und dem Erstligisten Paroli zu bieten. Das Tor des Tages, aus stark abseitsverdächtiger Position, erzielte Benjamin Tetteh nach 25 Zeigerumdrehungen. Doch auch die Münsteraner erspielten sich Chancen und konnten das von Horst Steffen so vehement eingeforderte Gegenpressing andeuten. “Es war spannend, die Jungs zum ersten Mal zu coachen”, fand Steffen im Anschluss an die Partie lobende Worte für seine Schützlinge. “Die Mannschaft hat Ansätze gezeigt, wo ich sage, da ist schon einiges umgesetzt worden, was ich vorgebe.”

Aufstellung Preußen (1. Hz.): Lomb – Schöneberg, Pischorn, Eickhoff, Tritz – Philipps, Bischoff, Schwarz – Hoffmann (13. Özkara), Krohne, Heitmeier

Aufstellung Preußen (2. Hz.): Lomb – Kopplin, Schweers, Heitmeier, Müller – Scigliotti, Stoll, Wiebe – Özkara (67. Warschewski), Reichwein, Amachaibou

Bilder vom Spiel gibt’s in unserer aktualisierten Bildergalerie…

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