Eine Bratwurst, ein paar Kaltgetränke und 90 Minuten Fußball kneistern – ein Besuch im Stadion soll für jeden Zuschauer des SC Preußen Münster ein freudiges Erlebnis sein, bei dem er sich keine Gedanken um seine Sicherheit machen muss. Doch was ist, wenn einmal etwas Unplanmäßiges vorfällt? Ein medizinischer Notfall, ein verdächtiger Gegenstand oder ein Drohanruf? Die Sicherheit bei Sportgroßveranstaltungen hat oberste Priorität. Deshalb wurde in Vorbereitung auf das Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft im April sowie mit Blick auf zukünftige Heimspiele eine Sicherheitsschulung im Auftrag des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) durchgeführt. Zentraler Bestandteil dieses Lehrgangs war ein speziell für den Standort Preußenstadion entwickeltes Krisenszenario, das in Zusammenarbeit mit allen Sicherheitskräften absolviert wurde.

Mit von der Partie waren am Donnerstag alle Parteien, die auch an Spieltagen für die Sicherheit im Preußenstadion zuständig sind: Vereinsmitarbeiter, der Sicherheitsbeauftragte, der Veranstaltungsleiter, die Polizei, die Feuerwehr, der ASB sowie der Ordnungsdienst und Vertreter des DFB, die beim Länderspiel in Münster vor Ort sein werden. Eine große Runde, die im Laufe des Tages vor große Herausforderungen gestellt werden sollte. Knapp drei Stunden sollte das Szenario dauern und behandelte zahlreiche Szenarien, die in enger Taktung aufeinander folgten und immer wieder für neue Problemstellungen sorgten. Der Beginn der Veranstaltung war morgens um halb neun. Nach einer thematischen Einführung wurden zeitnah die Gruppen für das Szenario verteilt.

 

Das wichtigste Organ im Falle einer Krise ist die Koordinierungsstelle (KOST), der Vertreter aller sicherheitsrelevanten Bereiche angehören und die gemeinsam die notwendigen Entscheidungen treffen, um auf die verschiedenen Ereignisse zu reagieren. Diese Gruppe nahm ihren angestammten Platz im Sicherheitsraum im Untergeschoss des Stadions ein. Die vierköpfige Übungsleitung, die die vorgesehenen Szenarien sukzessive einspielte, nahm in einer Loge Platz und war per Telefon für die KOST zu erreichen. Darüber hinaus nahm die Übungsleitung alle relevanten Rollen ein, die von Bedeutung waren und von der KOST angefragt wurden. Ob der DFB-Präsident, der Teammanager eines Teams oder ein Taxiunternehmen, das Szenario sollte möglichst realitätsnah umgesetzt werden.

Ergänzt wurde die Übungsleitung, neben jeweils einem Vertreter der Behörden, durch den technischen Leiter des SCP, der Fanbeauftragten, dem Stadionsprecher, einem Kommunikationsmitarbeiter sowie einem Vertreter der Stadt, die alle für operativen Aufgaben zuständig waren und die Befehle der KOST ausführten. Das konnten das – theoretische – Untersuchen des Bombenfunds, eine Stadiondurchsage, die Kommunikation über die sozialen Medien oder das Beantworten von Rückfragen sein. Die Zusammenarbeit wurde in jedem Fall in einer Ausnahmesituation auf die Probe gestellt.

Das Szenario begann am Spieltag mit einem Busunfall der irländischen Nationalmannschaft im Zuge der Anreise zum Stadion, woraufhin im ersten Schritt eine Verschiebung des Anpfiffs erfolgte. In der Folge steigerte sich das Szenario immer weiter. Ein medizinischer Notfall auf der Tribüne, ein Verkehrsunfall mit Personenschaden auf dem Stadiongelände sowie ein Drohanruf mit einem angekündigten Bombenanschlag. Die KOST musste auf die ihnen zugespielten Szenarien entsprechend aller Vorschriften und dem Sicherheitskonzept adäquat reagieren. Darüber hinaus stand der KOST ein Sicherheitsexperte zur Seite, der dabei half, die Übersicht zu bewahren und in bestimmten Situation mit kurzen Erläuterungen Hilfestellungen gab. Nach drei intensiven und diskussionsreichen Stunden endete das Szenario schließlich mit einer geordneten Evakuierung des Stadions und der damit einhergehenden Spielabsage.

Im Anschluss an die Durchführung des Szenarios folgte ein gemeinsames Mittagessen und am Nachmittag eine Reflexionsrunde. Nachdem sich zunächst die zwei Gruppen jeweils untereinander ausgetauscht hatten und positive sowie verbesserungswürdige Punkte herausgearbeitet wurden, folgte abschließend ein Feedback durch die Übungsleitung. Dabei stand fest: Die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte beim SC Preußen Münster funktioniert und ist durch die jahrelange Erfahrung in der Lage, auch komplexe Situation zu meistern. Zugleich wurde auch festgehalten, dass umfangreiche Übungen dieser Art öfter durchgeführt werden sollten, um eine noch größere Routine in den Sicherheitsabläufen und den Entscheidungswegen zu bekommen.

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