Den 2:0-Auswärtssieg beim akut abstiegsbedrohten und leidenschaftlich kämpfenden SV Wehen Wiesbaden erkauften die Preußen am Freitagabend vor 2.814 Zuschauern teuer, weil sich Philipp Hoffmann beim von ihm erzielten Führungstreffer am Knie verletzte. Umgehend ins Krankenhaus gebracht, die erste Diagnose. Kniescheibenverrenkung mit Verdacht auf Riss der Patellasehne. Das würde eine längere Verletzungspause bedeuten. Auch von hier aus alles Gute Hoffi!!!

Vor dem Sportteil ein Wort zu unseren Fans: Herausragend war der Support bei diesem “Geburtstagsspiel”. Die etwa 700 SCPler, überwiegend mit dem Schiff über den Rhein angereist, sorgten 90 Minuten lang für Stimmung im Gästeblock – ach, was reden wir? Im ganzen Stadion! Friedlich und bestens gelaunt präsentierte sich der Preußen-Anhang. Danke dafür und eine sichere Heimfahrt!

Am 36. Spieltag musste sich Preußencoach Horst Steffen einmal mehr etwas einfallen lassen, musste sein Team erneut umstellen. Grimaldi und Wiebe wurden nicht rechtzeitig fit, Pischorn fehlte gelbgesperrt und auch Schwarz musste kurzfristig wegen Knieproblemen mit der Bank Vorlieb nehmen. Vor allem die Abwehr musste sich also neu orientieren, weil Heitmeier und Müller von Beginn an ran durften – zwei von vier Positionen also neu besetzt waren. In der Mittelfeldraute gab Philipps den defensiven Part, davor mit Bischoff und Laprevotte sowie Kara auf der Zehnerposition. Die Angriffsreihe bildeten Hoffmann und Reichwein.

Gute Anfangsphase der Hausherren, doch Preußen gehen in Führung

Die Anfangsphase gehörte allerdings den Hausherren, die ihr Heil in der Offensive suchten und unbedingt gewinnen mussten. Der Druck, der auf den Spielern lastete, war spür- und sichtbar, etwa als Marc Lorenz einen Freistoß aus knapp 40 Metern ohne Not über das Stadiondach katapultierte. Brandgefährlich wurde es nach 14 Spielminuten, als sich Torsten Oehrl im Sechzehner hochschraubte, aufs Tor köpfte, aber (zum Glück) knapp verfehlte. Neun Zeigerumdrehungen später zappelte der Ball im Netz – und zwar im richtigen. Philipps setzte aus dem Halbfeld Laprevotte mit einem scharfen Anspiel in Szene, der ließ auf Hoffmann abtropfen und der wiederum versenkte das Spielgerät in den Maschen. Freude sollte trotz der Führung aber nicht wirklich aufkommen, weil sich der Torschütze genau bei dieser Aktion am Knie verletzte.

Drittligadebüt für Lennart Stoll

Was folgte, war eine ganz besondere Einwechslung, auch wenn die Umstände traurig stimmen: Der 19-jährige Lennart Stoll kam so zu seinem ersten Drittligaeinsatz und durfte sich von da an an der Seite von Reichwein als Angreifer versuchen. Und während der 19-Jährige vorne debütierte, machte hinten ein 20-Jähriger die Schotten dicht. Mehr noch: Kurz vor der Pause verhinderte Lion Schweers beinahe artistisch den Ausgleich, als er einen Schindler-Kopfball in letzter Sekunde von der Linie kratzte. Es war die letzte nennenswerte Aktion in einem unterhaltsamen und temporeichen ersten Durchgang.

Aus der Kabine kamen beide Teams unverändert, und auch die Partie blieb unverändert munter. Viel Tempo und intensive aber faire Zweikämpfe prägten das Geschehen auf dem Platz. Und auch an Torgefahr sollte es nicht fehlen. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff zog David Blacha sehenswert von der Sechzehnerkante ab, doch ebenso sehenswert war die glänzende Parade von Preußen-Schlussmann Lomb. Auch taktisch zeigten sich die Adlerträger variabel, verschoben im zweiten Spielabschnitt zusehends in ein 4-3-3, weil Kara sich mehr in die erste Reihe orientierte. Die etwas klareren Möglichkeiten hatten aber die Wiesbadener, etwa durch Schnellbacher, der freistehend vor Lomb scheiterte (65.). Doch wieder schlugen die Adlerträger gnadenlos effektiv zu. Ein langer Ball auf Laprevotte, der im Sechzehner seinen Gegenspielern entwischte und in der sprichwörtlich letzten Minute zum 2:0 einschiebt. Die Gastgeber geraten dadurch – trotz guter Leistung – nach dieser Heimniederlage noch tiefer in den Abstiegsstrudel.

Trainerstimmen

Horst Steffen: „Ich bin sehr happy über die drei Punkte und dass wir auswärts mal wieder gewinnen konnten. Die Anfangsphase gehörte Wehen Wiesbaden, dann kamen wir aber besser ins Spiel. Tragisch ist die Verletzung von Hoffi. Danach haben wir mit Geschick und Glück verteidigt. Es war ein nicht so gutes Spiel von uns, dass wir gewonnen haben. Wir haben aber auch schon bessere Spiele nicht gewonnen.“

Torsten Fröhliing (Trainer Wehen Wiesbaden): „Es ist nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden. Wenn jemand gewinnt, hat er gewonnen. Wir waren gut auf Preußen Münster eingestellt und hatten durchaus ein Chancenplus. Wir wollten nach dem Rückstand das Spiel unbedingt drehen und meine Mannschaft hat, was Leidenschaft und Kampfgeist anbetrifft, viel gezeigt. Aber wenn du hinten stehst, fehlt dir oft auch das Glück.“

Spieldaten

SVWW: Kolke – Funk, Wein, Ruprecht, Vitzthum – Blacha, Pezzoni – Schindler (Golley, 80.), Oehrl (Lindner, 72.), Lorenz – Schnellbacher (Mende, 87.)

SCP: Lomb – Kopplin, Heitmeier, Schweers, Müller – Philipps – Laprevotte, Bischoff – Kara (Tritz, 72.) – Hoffmann (Stoll, 27.) (Schöneberg, 88.), Reichwein

Tore: 0:1 Hoffmann (23.) 0:2 Laprevotte (90.)

Gelbe Karten: Ruprecht, Pezzoni / Müller

Schiedsrichter: Florian Badstübner

Zuschauer: 2.814

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