Seit 2009 kümmert sich Dirk Kugel in Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Vorstand des SC Preußen 06 e.V. Münster, Siggi Höing, um die Belange der Sponsoren. Jetzt hat der 46-Jährige seinen Vertrag bei den Adlerträgern bis 2016 verlängert. Im Anschluss stand der gebürtige Dortmunder unserer Redaktion Rede und Antwort.

 

Dirk, du hast kürzlich deinen Vertrag bei den Preußen bis 2016 verlängert. Seit 2009 bist du jetzt Teil des Vereins. Erzähl uns bitte einmal was du vorher gemacht hast und wie der Kontakt nach Münster entstanden ist.

Ich bin gelernter Journalist und hatte in Dortmund, wo ich gebürtig herkomme, eine Werbeagentur. Ich habe die Handballvereine HSV Hamm und den SC Magdeburg vermarktet. Die Preußen sind seit 2009 der erste Fußballverein, den ich betreue. Der Kontakt ist über Nobby Dickel (aktueller Stadionsprecher bei Borussia Dortmund, Anm. d. Red.), der ein guter Freund von mir ist, entstanden. Über Siggi Höing ist der Kontakt dann zu den Preußen und Thomas Bäumer entstanden.

Was waren deine ersten Gedanken, als du angefangen hast?

Der Aufenthalt bei uns im Stadion hatte einfach keine Atmosphäre. Ich sehe uns als Gastgeber für unsere Fans, die einen schönen Nachmittag bei uns verbringen sollen. Damals stand ein VIP-Zelt in der Ecke, die sanitären Anlagen waren genau wie heute desaströs. Das Stadion war eigentlich für niemanden zumutbar. Der Widerspruch war einfach zu groß.

Welchen Widerspruch meinst du?

Ich komme aus dem Ruhrgebiet, habe immer nur positives über die Stadt Münster gehört, wie schön sie ist und wie angenehm der Aufenthalt in der Stadt ist. Für das Stadion aber musste man sich schon fast schämen. Das wäre in keiner Stadt im Ruhrgebiet zumutbar gewesen.

Kannst du dich an deine ersten Tage bei den Preußen erinnern?

Das erste Spiel, das ich miterlebt habe, war gegen Fortuna Düsseldorf 2 vor 1.700 Zuschauern. Damals war Roger Schmidt noch Trainer und die alte Haupttribüne stand noch. Und es gibt natürlich viele Anekdoten aus dieser Zeit.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Als ich zu meinem ersten Sponsorengespräch zu der Firma ExKern gegangen bin, wurde ich mit dem Zitat konfrontiert: „Preußen? Finde ich seit 40 Jahren latent schlecht.“ Heute ist diese Firma einer der wichtigsten und zuverlässigsten Partner den wir haben, der auch für spontane Aktionen immer zur Verfügung steht und uns immer hilft.

Mit welchen Ambitionen hast du damals deinen Job angetreten?

Ich habe mit dem Vorstand unsere Vision besprochen. Der Verein hat eine unglaubliche Tradition und viele Menschen identifizieren sich mit dem Klub. Die Anzahl an Leuten, die sich damals für den Verein engagiert haben, stand aber dazu in keinem Verhältnis. Unsere Aufgabe war es, noch mehr Personen ausfindig zu machen, die die Preußen im Herzen tragen und ihn unterstützen wollen.

Das wurde eindrucksvoll verwirklicht.

In ständiger Zusammenarbeit mit Siggi Höing haben wir es geschafft, dass wir mittlerweile 270 Unterstützer in unserem Sponsorenpool vorweisen können, die knapp 3,7 Millionen Euro unseres Etats ausmachen. Wobei man natürlich immer wieder betonen muss, dass die Firma TUJA einen Hauptteil davon ausmacht. Ohne sie wäre Profifußball in der 3. Liga in Münster nicht realisierbar.

Die Firmen haben ihre Sitze nicht nur in Münster. Die Preußen sind auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Das ist absolut richtig. Von den Top 300 Firmen aus Nordrhein-Westfalen haben 15 ihren Sitz im Münsterland. Elf von diesen Unternehmen engagieren sich für unseren Verein. Das ist eine super Zahl, nur die Versicherungen konnten wir bisher nicht überzeugen. Die LVM unterstützt aber den USC, was ich gut finde. Die Provinzial allerdings gönnt sich lieber eine Loge beim BVB.

Was macht den SC Preußen Münster aus deiner Sicht aus?

Der ungeheure Einsatz der Mitarbeiter ist ein großer Vorteil des Vereins, die wirtschaftliche Situation ist nicht zu toppen. Wie viele Vereine im Profifußball können sagen, dass sie schuldenfrei sind? Dazu agiert der Klub typisch westfälisch. Ehrlich, seriös, bodenständig. Es wird klipp und klar gesagt, was der Verein erreichen möchte. Das sind einige Gründe für den stetig wachsenden Sponsorenpool.

Durch deine Verlängerung hast du auch signalisiert, dass die Arbeit bei den Preußen für dich noch nicht beendet ist.

Wir haben noch einiges vor uns. Natürlich ist der Aufstieg in die 2. Liga ein großes Ziel, wofür wir die nötigen Rahmenbedingungen schaffen wollen. Des Weiteren plädiere ich für ein klares Votum zum Stadion-Standort Hammer Straße. Wir müssen das Stadionerlebnis für unsere Fans, die immer für den Verein da sind, noch schöner machen. Dazu gehören eine neue Toilettenanlage und ein besseres Sichtfeld.

Was war dein schönstes Erlebnis in der zurückliegenden Zeit?

Ganz klar der 6. Mai 2011. 18.000 Zuschauer im Aufstiegsspiel gegen Gladbach. Als mit dem Abpfiff der Aufstieg perfekt war, brachen alle Dämme. Diese Gesichter der Fans, die uns um die Trainerbank eingerahmt hatten, werde ich nie vergessen. Dann weiß man, wofür man den Job ausübt. Dieser Moment löst noch heute bei mir eine Gänsehaut aus. Dieses Erlebnis möchte ich noch einmal miterleben.

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