„Glorreicher SC Preußen – Du bist die Ewigkeit.“ Mit dieser wunderbaren Choreo zum 120. Vereinsgeburtstag begann die Partie der Adlerträger bei Hannover 96. Für die Preußen war es mit Anpfiff die womöglich letzte Chance, um den drohenden Abstieg an den verbleibenden drei Spieltagen doch noch abzuwenden. Ein Sieg musste in der niedersächsischen Landeshauptstadt her. Und so gingen es die Münsteraner in der mit 49.000 Zuschauern ausverkauften Heinz von Heiden-Arena auch an, starteten sehr aktiv in die Partie. Doch auch die 96er – immerhin bestes Rückrundenteam der 2. Bundesliga – wollten vor vollen Rängen die Tür in Richtung Aufstieg weit aufstoßen. Einen Sieger fand dieses Sechs-Tore-Spektakel nicht, bot aber vor allem in den Schlussphasen beider Halbzeiten hochdramatische Szenen.

Beide Teams gingen es offensiv an, hatten schnell einige gute Offensivaktionen auf der Habenseite, ohne dabei aber die zwingenden Gelegenheiten herauszuspielen. Erstmals richtig zupacken musste Preußen-Schlussmann Johannes Schenk nach 18 Zeigerumdrehungen, als Mustapha Bundu mit dem Außenrist abzog. Keine 60 Sekunden später war wieder Bundu im Sechzehner, als Niko Koulis in höchster Not klären konnte. Die Hannoveraner Abschlüsse wurden immer gefährlicher, auch einen strammen Abschluss von Benjamin Källmann musste Schenk parieren. Doch genau in dieser Druckphase stach der SCP zu: Nach einer scharf hereingebrachten Ecke von Marvin Schulz stieg Imad Rondic am höchsten und köpfte zur Preußen-Führung ein (25.). Es war der zweite Saisontreffer der Winter-Leihgabe. Und erst der zweite Treffer der Münsteraner nach einer Ecke im Saisonverlauf. Doch es kam noch besser für Schwarz-Weiß-Grün: Fünf Minuten vor der Pause setzte sich Rondic fantastisch an der Grundlinie durch, brachte den Ball in die Mitte, wo Shin Yamada ebenfalls mit seinem Zweiten Saisontor einschieben konnte.

Bis dahin war es ein klasse Auftritt der Gäste gegen die vermutlich spielstärkste Mannschaft der Liga – wäre da nicht die Nachspielzeit dieses ersten Durchgangs gewesen, in der die Preußen ihre Zwei-Tore-Führung herschenkten. Nach eigener Ecke liefen die Preußen in den Konter – am Ende ließ Bundu seine Gegenspieler stehen und verkürzte mit einem Traumtor auf 1:2 (45.+1). Es war allerdings noch nicht das letzte Kapitel in dieser dramatischen ersten Halbzeit, weil Bundu im Sechzehner freistehend genug Zeit bekam, um ganz genau Maß zu nehmen und den Ausgleich zu erzielen (45.+4).

Nach dem Seitenwechsel blieb der Gelb vorbelastete Yamada in der Kabine und machte Platz für Lars Lokotsch. Der machte fünf Minuten später direkt auf sich aufmerksam, als er den Ball perfekt abschirmte, den durchstartenden Schulz bediente und damit die nächste Münsteraner Großchance einleitete. Doch den daraus resultierenden Abschluss konnte Yassine Bouchama nicht platziert genug auf das Tor bringen. Da war mehr drin! Kurz darauf wurde es auf der Gegenseite gefährlich, als Enzo Leopold zum Freistoß von der Sechzehnergrenze antrat. Richtig Glück hatte der SCP in der 58. Minute als der Ball im Sechzehner Ping Pong spielte, aber gleich drei Hannoveraner die Murmel nicht im Kasten unterbringen konnten.

Die Schlussviertelstunde war angebrochen und die Adlerträger, die seit der 50. Minute nicht mehr aufs Tor geschossen hatten, legten offensiv wieder eine Schippe drauf, ließen aber gute Umschaltmomente noch liegen, weil der letzte Pass nicht ankam oder die Abschlüsse vom Gegner geblockt wurden. Dann die Riesenchance zur erneuten Führung: Einen bärenstarken Kopfball von Rondic klärt Stefan Thordarson auf der Linie. Die Preußen mit den deutlich besseren Chancen im zweiten Durchgang. Wer dachte, die Schlussphase der ersten Halbzeit wäre dramatisch gewesen, wurde in der Crunchtime dieser Partie eines Besseren belehrt: Von Hannover kam bis dahin eigentlich nichts mehr, dann packte Thordarson, der gerade noch zum Retter wurde, so einen Hammer aus. Der 27-jährige erlief den zweiten Ball und schloss aus 18 Metern in den Winkel ab. Keine Chance für Schenk – 3:2 (86.). Die Nachspielzeit lief bereits, als der eingewechselte Tobias Raschl köpfte, Nahuel Noll sensationell parierte und Jorrit Hendrix mit dem Nachschuss nur die Latte traf. Was für eine Mehrfachchance. In der 93. dann der nächste Hammer: Hendrix zog aus 25 Metern volley ab und knallte das Spielgerät zum 3:3 in die Maschen.

Dann war Schluss. Der SCP holte beim Aufstiegskandidaten Hannover 96 ein leidenschaftliches 3:3, das gerade aber keinen so richtig glücklich macht. Weil nach der 2:0-Führung gefühlt mehr drin war und weil der Rückstand auf das rettende Ufer weiterhin fünf Punkte beträgt. Aber die Mannschaft hat gekämpft, und wurde dafür nach dem Abpfiff zu Recht von den Fans bejubelt.

Alois Schwartz: „Wir haben versucht, das Spiel zu verlangsamen und ihnen auf den Außenpositionen die Eins-gegen-Eins-Situationen zu nehmen. Das ist uns relativ gut gelungen und mit dem 2:0 sind wir eigentlich auf einem sehr guten Weg. Leider verhalten uns danach ein bisschen naiv und schenken das ganze wieder her. In der Halbzeit haben wir uns sortiert. Nach dem Seitenwechsel hatten wir auch gute Möglichkeiten auf das dritte Tor. Leider gehen diese Riesenmöglichkeiten manchmal nicht rein, wenn du unten stehst. Stattdessen kassieren wir so einen Sonntagsschuss. Die Mannschaft hat sich aber nie aufgegeben, alles reingeworfen und das 3:3 gemacht. Schade für uns, ein Dreier wäre für uns sehr wichtig gewesen.“

Spieldaten

Aufstellung H96: Noll – Allgeier, Tomiak (Thordarson, 46.), Okon – Nkili, Leopold, Oudenne (Matsuda, 77.), Taibi – Yokota (Kokolo, 77.), Källmann (Nielsen, 77.), Bundu (Chakroun, 69.)

Aufstellung SCP: Schenk – ter Horst, Heuer (Jaeckel, 71.), Koulis, Makridis – Hendrix, Paetow, Bouchama (Vilhelmsson, 84.) – Schulz (Raschl, 71.), Rondic, Yamada (Lokotsch, 46.)

Tore: 0:1 Rondic (25.) 0:2 Yamada (40.) 1:2 (Bundu, 45.) 2:2 Bundu (45.+4) 3:2 Thordarson (86.) 3:3 Hendrix (90.+3)

Gelbe Karten: – / Koulis, Yamada, Makridis, Schulz, ter Horst, Jaeckel

Schiedsrichter: Florian Lechner

Zuschauer: 49.000

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