Für den SC Preußen 06 e.V. Münster brachten die letzten 90 Fußball-Minuten des Jahres 2015 eine 1:2-Niederlage mit sich. Der Nachwuchs des VfB Stuttgart konterte die Adlerträger vor 6.083 Zuschauern innerhalb einer Viertelstunde zwei Mal clever aus und sorgte nach knapp 20 Minuten für den entscheidenden Vorsprung. Bemühte Hausherren schafften es zudem lange nicht, vor dem VfB-Tor gefährlich aufzutauchen. Der späte Anschlusstreffer sollte schlussendlich, wie schon in Großaspach, nicht mehr für den Ausgleich reichen. Auf Platz sechs liegend verabschieden sich die Preußen-Akteure mit der Heimniederlage in die Winterpause, die nun sicher nicht ungelegen kommt.

Unter der Woche wollte Preußentrainer Ralf Loose noch nicht verraten, ob seine Mannschaft ein zweites Mal im 4-4-2 auflaufen wird oder zum eingespielten 4-3-3 zurückkehrt. Erst wenige Stunden vor Anpfiff des 21. Spieltages lüftete der 52-Jährige schließlich das Geheimnis: Der Coach behielt seine System-Umstellung aus der Großaspach-Partie bei und schenkte denselben Akteuren sein Vertrauen, die bei der SG Sonnenhof noch mit 1:3 unterlagen. Lediglich auf einer Position musste der Fußballlehrer gezwungenermaßen umstellen, denn sein etablieter Linksverteidiger Felix Müller musste mit einer Gelb-Sperre passen – für ihn rückte Benjamin Schwarz aus der Zentrale auf die Außenbahn.

Clevere Stuttgarter kontern Preußen aus

Bei 14 Grad und teils frühlingshaftem Sonnenschein begann das letzte Heimspiel des Jahres bei ungewöhnlich milden Dezember-Temperaturen. Auf Temperatur kamen auch die Hausherren in den ersten Minuten: Schwungvoll versuchten die Adlerträger den schwäbischen Nachwuchs unter Druck zu setzen und schnelle Ballverluste zu provozieren. Nach einer Balleroberung auf der linken Seite, kombinierten sich die Preußen bis vor das Tor von VfB-Schlussmann Niklas Bolten, der den Abschluss von Philipp Hoffmann jedoch parieren konnte. Nur eine Zeigerumdrehung später bekamen die Schwarz-Weiß-Grünen einen Freistoß aus dem Halbfeld zugesprochen: Amaury Bischoff führte den Ball kurz auf Mehmet Kara aus, der den Ball in einem Zweikampf verlor. Die Stuttgarter leiteten einen Konter ein, den Daniele Gabriele nach tollem Zuspiel sicher vollendete – 0:1 (10.).

Die Münsteraner brauchten zehn Minuten, um den Schock des Rückstands abzuschütteln und zurück in das eigene Angriffsspiel zu finden: Nach einer Balleroberung tauchte erneut Hoffmann vor Torwart Bolten auf, dessen Schuss wurde diesmal jedoch geblockt, sodass VfB-Sechser Max Besuschkow den nächsten Konter einleiten konnte. Die Bundesliga-Reserve spielte auch diesen Tempogegenstoß clever zu Ende und Arianit Ferati netzte mit einem Lupfer zur 2:0-Gästeführung ein (23.). Mit dem sicheren Vorsprung im Rücken überließen die Schwaben der Heimmannschaft hauptsächlich das Spielgerät und lauerten auf weitere Möglichkeit.

Später Anschlusstreffer reicht nicht für ein Unentschieden

Ralf Loose betonte bereits in der Pressekonferenz am Freitag, dass man bei einem möglichen Rückstand mentale Stärke beweisen müsse – ähnlich dürfte die Ansage in der Kabine gewesen sein. Besonders glücklich begann die zweite Hälfte jedoch nicht: Kapitän Amaury Bischoff deutete schon im ersten Durchgang an, dass er Beschwerden im rechten Knie habe. In der 55. Minute musste der Franzose schließlich verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam Danilo Wiebe ins Spiel. Mittlwerweile hatte sich die Begegnung den milden Temperaturen angepasst: Der VfB verteidigte clever und die Hausherren fanden im letzten Drittel keine Lösungen, um dem Tor gefährlich nahezukommen.

Benjamin Schwarz sorgte mit einem Schuss von der Sechzehnerkante erstmals in der zweiten Halbzeit für Torgefahr, doch Keeper Bolten hatte den Ball im Nachfassen unter Kontrolle (72.). Die Offensivbemühungen waren in der Folge fast auschließlich ohne erkennbaren Erfolg, bis ein Eckball drei Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer brachte: Die Hereingabe von Cihan Özkara konnte zunächst geklärt werden, doch Eli Laprevotte schlug den Ball zurück in die gefährliche Zone, wo Marco Pischorn nach kurzem Gestocher an die Murmel kam und das Leder über die Linie drückte – 1:2 (87.). Zu spät. Der Ausgleich sollte nicht mehr fallen, sodass sich die Jungs von der Hammer Straße im letzten Heimspiel mit 1:2 geschlagen geben mussten.

Trainerstimmen:

Walter Thomae: „Ich denke, wir haben aufgrund der ersten Halbzeit verdient die drei Punkte mitgenommen. Es standen heute drei A-Jugendliche bei uns von Beginn auf dem Platz und die Kraftreserven haben zum Ende des Spiels abgenommen. Umso glücklicher bin ich, dass wir die 2:1-Führung über die Zeit gebracht haben.“

Ralf Loose: „Es war die dritte Möglichkeit für uns, ganz oben anzuklopfen. Wir haben uns vor der Partie viel vorgenommen, daher war es natürlich extrem bitter, durch zwei Konter in Rückstand zu geraten. Die Gegentore waren einfach extrem ernüchternd für alle.“

Zahlen und Daten zum Spiel:

Aufstellung SCP: Lomb – Kopplin (Schöneberg, 78.), Pischorn, Heitmeier, Schwarz – Hoffmann, Bischoff (Wiebe, 55.)Laprevotte, Kara – Krohne (Reichwein, 65.), Özkara

Aufstellung Stuttgart II: Bolten – Mwene (Vier, 46.), Peric, Sama, Hagn (Kirchhoff, 56.) – Zimmermann, Rathgeb – Ferati (Lovric, 90.), Besuschkow, Elva – Gabriele

Tore: 0:1 Gabrielle (10.), 0:2 Ferati (23.), 1:2 Pischorn (87.)

Gelbe Karten: Özkara, Laprevotte, Kara / Vier

Schiedsrichter: Alexander Sather (Grimma)

Zuschauer: 6.083

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