Nun rollen auch im Norden des LVM-Preußenstadions die Bagger. Mit zügigen Schritten werden die schiefen Stufen der Gegengerade abgerissen, während im Osten die fast fertiggestellte Stehtribüne bereits auf ihren ersten Einsatz wartet. Kurz vor ihrem 100. Geburtstag nimmt die Zukunft der neuen Heimat der Preußen mehr und mehr Gestalt an. Keine 15 Minuten mit der Leeze entfernt, zeugen ab dem 1. Juni elf Schaufenster sowie vier Geschäftsfassaden rund um den Prinzipalmarkt und die Lambertikirche von der Vergangenheit des Stadions an der Hammer Straße. Pünktlich zum Jubiläum erzählt der ungeführte Ausstellungsrundgang „100 Jahre Preußenstadion“ anhand hochwertiger Illustrationen des Künstlers Robert Nippoldt die Stadiongeschichte – von der Einweihung im Jahr 1926 über legendäre Sport- und Kulturevents bis hin zum Spatenstich des aktuellen Umbaus. Graphisch eindrucksvoll verarbeitet, informativ und öffentlich zugänglich. Das Projekt, das auf eine Initiative der Fangemeinschaft Preußen Münster zurückgeht und von der LVM-Versicherung als Namenspartner des LVM-Preußenstadions maßgeblich unterstützt wird, ist das Resultat einer aufwendigen und akribischen Zusammenarbeit, die vor zweieinhalb Jahren begann.

„Wir sind sehr froh, mit dieser Ausstellung die lange und zugleich vielfältige Geschichte unseres Stadions zum 100-jährigen Jubiläum gebührend würdigen zu können. Ohne den Einsatz aller Beteiligten und die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Münster, der Kaufmannschaft sowie dem Künstler Robert wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Burkhard Brüx, Präsidiumsmitglied und Koordinator Fanbelange & Mitglieder des SC Preußen, der an der Organisation der Ausstellung maßgeblich beteiligt war.

Ebenso wie Jörg Weichelt, der das Projekt ehrenamtlich betreute und als „Herzensangelegenheit“ beschreibt: „Ich begleite das Stadion seit 50 Jahren – von der Preußen-D-Jugend bis heute, inklusiver aller Höhen und Tiefen.“ Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Fangemeinschaft und aus allen Stadionbereichen entwickelte Weichelt die Idee zur Ausstellung und arbeitete in der Folge gemeinsam mit Andreas Caruso, Marc André Dütschke, Martin Paul, Philipp Nulle, Torben Maunz sowie Martina Spicher in Zusammenarbeit mit dem SC Preußen Münster an der Planung, Konzeption und Umsetzung des Projektes.

Aufwendige Recherche 

Die Organisatorinnen und Organisatoren entwickelten die Idee kontinuierlich weiter, platzierten die Ausstellung bewusst in der Innenstadt, wo sie Bürgerinnen und Bürgern sowie Besucherinnen und Besuchern der Stadt unmittelbar ins Auge fallen soll. Anschließend begann die intensive Recherche zur Stadiongeschichte, bei der das Team einige Herausforderungen zu bewältigen hatte. „Die größte Herausforderung war dabei die Beschaffung von Informationen über die 1920er und 30er Jahre. Es galt, die großen Lücken in der Historie zu füllen, gerade auch aus der NS-Zeit, über die es kaum Material gab. Aber genau das waren letztlich auch die spannendsten Momente der Recherche“, so Weichelt über das dunkelste Kapitel der Stadion- und Vereinsgeschichte, das am Stadtmuseum unter dem Titel „Kriegsjahre – Missbrauch des Stadions“ beleuchtet wird.

Kunst trifft auf Stadiongeschichte

Neben der Informationsbeschaffung stellte sich schnell die Frage nach der passenden Darstellung. Hierbei trat der Verein an den renommierten Zeichner und Buchkünstler Robert Nippoldt aus Münster heran. Dieser hatte bislang kaum Berührungspunkte mit dem SCP. „Das Projekt klang aber zu schön, um es abzulehnen“, gibt Nippoldt zu. Daraufhin setzte er sich intensiv mit dem Club, dem Stadion und seinen Fans auseinander. „Ich habe es total genossen, in diesen Teil der Stadtgeschichte einzutauchen, all die Geschichten zu lesen und zu hören und am Ende auch nachzuzeichnen“, erzählt Nippoldt, der die Zusammenarbeit mit den Organisatorinnen und Organisatoren hervorhebt: „Wie das Projekt immer weiter gewachsen ist, hat mich beeindruckt. Jetzt freue mich darauf, durch die Stadt zu laufen und Freunden sowie Familie die Geschichte dieses Stadions entlang der Bilder zu erzählen.“

Vorfreude, die auch bei Weichelt spürbar ist: „Aus einer reinen Museumsausstellung ist ein riesiges Projekt geworden. Wir bringen die historischen Stationen unserer Heimat direkt in die Schaufenster der Stadt. Ich hätte niemals gedacht, dass das Ganze einmal so groß und im Stadtbild so sichtbar werden würde!“

Die Ausstellung ist vom 1. Juni bis zum 4. Juli in der Innenstadt zu sehen. Ein Rundgang entlang der konzipierten Route ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Einfach durch die Stadt schlendern, hier und da ein bisschen Stadiongeschichte aufsaugen – auch das funktioniert wunderbar.

 

Ausstellungs-Rundgang „11 Fenster müsst ihr sein!“

 

A | Anpfiff | Fiffi begrüßt zum Rundgang, Homebeis – The local shop, Aegidiistraße 2-3 

1 | Vorgeschichte | Erste Radioübertragung, Westfälische Nachrichten Shop, Picassoplatz 3

2 | Stadioneinweihung, LUX Barkultur, LWL-Museum, Domplatz 10  

3 | Entwicklung bis 1970 | Es werde Licht. LUX Barkultur, LWL-Museum, Domplatz 10 

4 | Entwicklung 1970 – 2012 | Rettet das Preußenstadion, Eingang LWL-Museum für Kunst & Kultur, Domplatz 10

5 | Kunst, Kultur, Musik | Weltklasse-Jazz, Galerie Nettels, Spiegelturm 3 

6 | Um das Stadion herum | Bahnhaltepunkt, Buchhandel Schatzinsel, Spiekerhof 2 

7 | Legendäre Spiele, Buschmann City, Drubbel 17

8 | Kriegsjahre | Missbrauch des Stadions, Stadtmuseum, Salzstraße 28

B | Halbzeit | Stadion 3.6.1951, Geers – World of Hearing; Salzstraße 52 

9 | Mehr als nur Fußball | Europarekord, Modehaus Schnitzler, Prinzipalmarkt 40 

C | Verlängerung | LVM-Preußenstadion, Rathausinnenhof, Klemensstraße 10 – 11

10 | LVM-Preußenstadion | Spatenstich, Stadthaus außen, Klemensstraße 10 – 11 

11 | Fankultur,  Fanshop SC Preußen Münster, Klemensstraße 4 

D | Siegestaumel | Fans mit Meisterschale, Der gute Bäcker Krimphove, Windhorststraße 68

 

 

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