Auf den 3:1-Auswärtssieg in Wiesbaden folgte am Samstag ein umkämpftes 1:1-Unentschieden gegen einen intensiv spielenden und zielstrebig agierenden FC Ingolstadt. Cheftrainer Thomas Wörle sah eine „leistungsgerechte Punkteteilung mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten“. Der Fußballlehrer betonte nach seinem ersten Ligaspiel im neuen Wohnzimmer – das LVM-Preußenstadion war mit 12.842 im Heimbereich ausverkauft – allerdings auch die „grandiose Atmosphäre“ an der Hammer Straße.
„Dieses Spiel wird ein absolutes Highlight sein mit der neuen Kurve“, freute sich Wörle bereits vor Anpfiff auf die Pflichtspielpremiere der neuen Stehtribüne im Osten und fügte an: „Keiner weiß, was uns gleich erwartet.“
Niemand konnte wissen, was einem dort erwartete. Dort, wo sich 6.917 Zuschauer versammelt hatten und erstmals unter Anleitung der aktiven Fanszene eine brachiale Wucht erzeugten, die schon beim Aufwärmen bis auf den Platz zu spüren war. Und es sollte noch besser kommen: Von grünen und weißen Fahnen umringt, prangte auf einer riesigen Blockfahne der Name des neuen atmosphärischen Herzstücks: „Fiffi-Gerritzen-Kurve“. Eine gigantische Choreografie zum Auftakt. Gänsehaut trotz hochsommerlicher Temperaturen.
Auf dem Rasen, wo Montell Ndikom für den angeschlagenen Joshua Mees startete, begannen die Adlerträger etwas verhaltener. Ingolstadt war der erwartet aggressive Gegner: immer eng am Mann und schnell im Umschaltspiel. Den Gästen gehörte auch die erste Großchance der Partie, als Simon Lorenz einem eigentlich schon vereitelten Angriff nachsetzte. Vinko Sapina schaltete schnell und bediente Davide Sekulovic mustergültig in den Lauf, der Angreifer überlupfte Morten Behrens aus kurzer Distanz. Allerdings war Niko Koulis rechtzeitig mitgelaufen und klärte, bevor Lars Lokotsch seine Rückkehr an alter Wirkungsstätte mit einem frühen Treffer versüßen konnte (8.). Der Ex-Preuße verzeichnete auch den ersten Abschluss der Schanzer, zog aus der Drehung jedoch knapp am langen Pfosten vorbei (20.).
Die Elf von Sabrina Wittmann war jetzt am Drücker, doch der SCP zeigte sich gnadenlos: Selbst eingeleitet setzte sich Ryan Johannson gegen fünf Gegenspieler durch und schlenzte den Ball aus 18 Metern unhaltbar ins untere rechte Eck (22.) Die Führung nach einer starken Einzelaktion des Luxemburgers, der kurz darauf aus spitzem Winkel das Außennetz traf (26.).
Die Antwort der bis dahin überlegenden Gäste ließ nicht lange auf sich warten. Im Zentrum hatte Emre Gül etwas zu viel Platz, fasste sich aus 22 Metern ein Herz – und ließ Behrens vergeblich fliegen (27.). Das 1:1 markierte zugleich das Ende der vielleicht intensivsten Phase des Spiels, das daraufhin zunehmend abflachte. Bis kurz vor der Pause sowohl Gül als auch Obed Ugondu den späten Einschlag verpassten. Gegen den Torschützen durfte Behrens sich mit einer Glanzparade auszeichnen, bei der zweiten Großchance hatte der SCP Glück, dass Ugondu das Leder aus kurzer Distanz über den Querbalken setzte.
Auch nach dem Seitenwechsel hatte der FCI zunächst mehr vom Spiel, Frederik Carlsens Abschluss in der 52. Minute stellte Behrens jedoch vor wenige Probleme. Die Preußen wehrten sich daraufhin immer mehr und kamen durch Johansson (55.), Ndikom (56.) und Babis Makridis (58.) zu guten Gelegenheiten. Auf den Sturm folgte abermals eine längere Beruhigungsphase. Der Einsatz stimmte, doch das Angriffsspiel der Adlerträger war noch ein wenig zu zerfahren. Gleichzeitig hatte die Preußendefensive, in der Antonio Tikvic im zweiten Durchgang sein Ligacomeback nach über einem Jahr Verletzungspause feiern durfte, den Ingolstädter Angriff komplett in Griff. Der Lucky-Punch blieb so beiden Teams verwehrt.
Thomas Wörle: „In der ersten Halbzeit haben wir nie so richtig in unser Spiel gefunden, die Führung kommt im Grunde aus dem Nichts. Für uns war klar, dass wir eine Leistungssteigerung brauchten. Die haben wir auch gebracht, wir haben deutlich griffiger agiert und direkt eine gute Phase mit guten Abschlüssen gehabt. Danach war es ein typisches Drittligaspiel: sehr umkämpft, wenig klare Torchancen.“
Spieldaten
Aufstellung SCP: Behrens – Zeller (Paetow, 46.), Koulis, Dietrich (Tikvic, 46.) – Kolbe, Adeh (Althaus, 88.), Preißinger, Makridis – Ndikom (M. Schulz, 75.), Higl (Vilhelmsson, 80.), Johansson
Aufstellung FCI: Klein – Antzoulas, Si. Lorenz, Scholz – Sekulovic, Sapina (Plath, 84.), Bennetts (Rosenlöcher, 77.) – Gül (Deichmann, 84.), Carlsen, Ugondu (Ganda, 62.) – Lokotsch (Drakulic, 77.)
Tore: 1:0 Johansson (22.) 1:1 Gül (27.)
Gelbe Karten: Adeh / Si. Lorenz
Schiedsrichter: Jonah Besong
Zuschauer: 12.842
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