„51‘ im Finale, verpassten wir nur knapp die Schale“ – regelmäßig erklingt bei den Heim- und Auswärtsspielen des SC Preußen aus dem Fanblock diese Zeile, die an den größten Erfolg des Vereins erinnert: die Deutschen Vizemeisterschaft von 1951. Heute, vor exakt 75 Jahren, spielten die Adlerträger groß auf, machten bundesweit auf sich aufmerksam, unterlagen jedoch im Finale dem 1. FC Kaiserslautern mit 1:2. In der Clubhistorie ist der 30. Juni aber nicht nur als „bittere Niederlage“ verankert. Dieser Moment erinnert an eine Mannschaft, die mit unbändigem Offensivdrang, spielerischer Klasse und sportlicher Fairness weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus Begeisterung entfachte.  

„Münster ist eine sehr gute Mannschaft mit hoffnungsvoller fußballerischer Zukunft“, resümierte beispielsweise Sepp Herberger im Anschluss an das fesselnde Endspiel. Der Bundestrainer und spätere Weltmeister von 1954 fügte hinzu: „Sie scheiterte trotz großartigen Starts und streckenweise überlegenen und zwingenden Spiels daran, dass Fritz Walter nach vorübergehendem spürbarem Nachlassen noch einmal seine physischen und psychischen Kräfte zu mobilisieren vermochte.“ 

Und auch Fritz Walter, der als Kapitän die beiden entscheidenden Treffer seines Bruders Ottmar vorbereitete, zollte den unterlegenen Adlerträgern höchsten Respekt: „Wir haben als glücklichere Mannschaft gewonnen. Die Preußen haben mir großartig gefallen. Zwanzig Minuten entschieden alles.“ 

Diese Worte kamen nicht von ungefähr. Tatsächlich war es der SCP, der nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit das Zepter übernahm und nach dem Führungstreffer von „Fiffi“ Gerritzen auf das vorentscheidende 2:0 drängte. Ein Großteil der rund 100.000 Zuschauer, die das Endspiel im Berliner Olympiastadion verfolgten, schlug sich in dieser Phase auf die Seite der Westfalen. „Preußen vor, noch ein Tor“ schallte es von den Rängen.  

Es kam jedoch anders: Mit einem Doppelschlag der Walter-Brüder rissen die Roten Teufel die Partie an sich. Unter lautstarken Sprechchören warf die Mannschaft von Trainer Willy Multhaup noch einmal alles nach vorne – vergeblich. Münster verlor, Kaiserslautern gewann den ersten von insgesamt vier Meistertiteln. Die ersten Gratulanten waren die Preußen, die trotz des bitteren Nackenschlags wahre Größe zeigten und sich wie „ehrenvolle Verlierer“ (Multhaup) verhielten.  

Als Verlierer wurde die Mannschaft um den legendären „100.000-Mark-Sturm“ in der Heimat allerdings nicht empfangen. Auf dem völlig überfüllten Prinzipalmarkt feierten die Münsteranerinnen und Münsteraner ihre Adlerträger wie Sieger. Der Stolz überwog die Enttäuschung, weil jeder wusste, welch außergewöhnliche Leistung diese Mannschaft vollbracht hatte.  

Der 30. Juni 1951 erinnert uns bis heute daran, dass Erfolg nicht nur in Titeln gemessen wird, sondern auch an den Momenten, die bleiben. An den Menschen, die sie geprägt haben, und den Emotionen, die sie noch Jahrzehnte später auslösen. Und so singen wir auch heute noch, 75 Jahre danach, von der knapp verpassten Schale – und meinen damit so viel mehr.   

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