Nahezu optimale Wetterbedingungen und die ausgiebige Ruhephase in der Sommerpause sorgen derzeit dafür, dass sich der Rasen im LVM-Preußenstadion und der Trainingsplatz der Profis in hervorragendem Zustand präsentieren. Doch mit der Beanspruchung in der Vorbereitungszeit und im Spielbetrieb werden die Plätze spätestens im Herbst und während der Winterperiode Jahr für Jahr auf eine harte Probe gestellt. Hinzu kommt an der Hammer Straße eine sehr unvorteilhafte Verschattung des Spielfeldes durch das Stadiondach und eine für das Wachstum ungünstige Ost-West-Ausrichtung des gesamten Geländes. Ein Hybridrasen soll diese Herausforderungen beim Adlerclub zukünftig beherrschbarer machen und für eine gleichbleibende Qualität und Stabilität auch bei hoher Beanspruchung sorgen.
Seit Montag wird der Trainingsplatz in einen Hybridplatz umgewandelt, in der Länderspielpause im September folgt dann der Stadionrasen. Anders als beim erst im Sommer 2025 vollständig renovierten Trainingsplatz erfolgt dabei im Stadion zunächst ein komplett neuer Platzaufbau inklusive der Rasentragschicht. In dem Zuge werden auch die kaputte Muldensteinrinne für die Entwässerung und die gesamte, längst abgekündigte Beregnungsanlage erneuert.
„Wir werden langfristig trotz der signifikanten Investitionen von der Umstellung auf eine Hybridlösung auch kostenseitig profitieren, weil die Rasenflächen künftig nicht mehr getauscht werden können und müssen. Stattdessen wird der Rasen künftig im Frühsommer abgefräst und neu eingesät. Qualitativ ist das Niveau eines Hybridplatzes in den aktuellen Bedingungen durch Naturrasen nicht mal annähernd sicherzustellen“, begründet Markus Sass, Geschäftsführer Stadion, Finanzen & Organisation, die auf Nachhaltigkeit ausgelegten Maßnahmen. Ole Kittner, Geschäftsführer Sport, Strategie & Kommunikation ergänzt: „Wir investieren sehr zielgerichtet in unsere sportliche Infrastruktur, um auch hier den Club zukunftsfähig aufzubauen. Von annähernd gleichbleibend guten und ebenen Plätzen – auch bei schwierigeren äußeren Bedingungen – versprechen wir uns, die Trainingsqualität nachhaltig steigern zu können. Die Maßnahme ist ein zentraler Baustein in der Weiterentwicklung, da es für die tägliche Arbeit im Sport – neben dem Ball und Toren – nichts Wichtigeres als einen guten Trainingsplatz gibt. Aus einem kritischen Faktor in der Vergangenheit, schaffen wir jetzt einen kleinen Wettbewerbs- und Standortvorteil gegenüber anderen Clubs.“
Das ostwestfälische Familienunternehmen Heiler, das bereits seit 1966 im Sportplatzbau aktiv ist, übernimmt die Arbeiten im Schatten des LVM-Preußenstadions, die Gesamtkoordination übernimmt Landschaftsarchitekt Stephan Bracht von der SAL Landschaftsarchitektur GmbH aus Münster.
Im sogenannten Stitching-Verfahren werden Millionen von feinen Kunstrasenfasern vertikal in den bestehenden Naturrasen eingenäht. Dadurch entsteht ein extrem robuster und langlebiger Hybridrasen. Spezialmaschinen nähen die Kunststofffasern computer- und lasergesteuert ca. 18 cm tief in den Boden und setzen dabei rund 2.500 Stiche pro Quadratmeter. An der Oberfläche stehen die Fasern etwa 2 cm über, um das natürliche Wachstum zu schützen. Die Stiche werden dabei in engen, regelmäßigen Abständen gesetzt, sodass rund 20 Millionen Fasern und 47.000 Kilometer Garn auf einem Standard-Fußballfeld zusammenkommen. Die eingenähten Fasern stabilisieren die Rasentragschicht. Die Wurzeln des Naturgrases umschlingen die Kunstfasern, was die Scherfestigkeit deutlich erhöht. Der Platz wird ebener, belastbarer und regeneriert nach Spielen deutlich schneller.



