Der Traum von der Bundesliga lebt! In einem intensiven Topspiel am 35. Spieltag der Saison 1975/76 bezwingt der SC Preußen Münster die favorisierte Borussia aus Dortmund mit 4:1 und zieht in der Tabelle der 2. Bundesliga Gruppe Nord mit dem BVB gleich. Damit dürfen sich die Adlerträger drei Spieltage vor Schluss noch berechtigte Hoffnungen auf die langersehnte Rückkehr ins Fußballoberhaus machen.  

In der Domstadt war die Euphorie bereits Tage vor der Partie spürbar. Nach dem 2:1-Auswärtssieg bei Alemannia Aachen hatte der SCP auf zwei Zähler zum BVB aufgeschlossen, nachdem die Dortmunder gegen Union Solingen nicht über ein 0:0 hinausgekommen waren. Das Spitzenspiel am Mittwochabend (19:30 Uhr) zwischen den beiden westfälischen Traditionsvereinen wollte sich niemand entgehen lassen. Trotz strömenden Regens drängten Zehntausende ins Städtische Stadion an der Hammer Straße, das mit offiziell 35.000 Zuschauern restlos ausverkauft war.  

Allerdings ist davon auszugehen, dass sich deutlich mehr Personen Zugang zum Stadion verschafften. Die Ränge waren sichtbar überfüllt, sodass die örtlichen Behörden um 20:25 Uhr die Stadiontore schließen ließen. Zudem hatten einige Zuschauer auf dem Fernsehturm Platz genommen, was diesen sichtbar ins Schwanken brachte. Der SC Preußen wird die Geschehnisse rund um die Partie aufarbeiten.   

Doch zurück zum Sportlichen: Trainer Rudi Faßnacht vertraute weitgehend der siegreichen Elf aus Aachen und nahm lediglich eine Veränderung vor: Anstelle von Werner Fuchs rückte Günther Karbowiak in die Startformation – eine Entscheidung, die sich später noch auszahlen sollte.   

Die Faßnacht-Mannschaft präsentierte sich von Beginn an hochmotiviert und verpasste bereits in der ersten Spielminute die frühe Führung: Nach präziser Flanke von Dieter Meis erwischte Eckhard Deterding den Ball nicht sauber, sodass dieser knapp am Dortmunder Kasten vorbeirauschte. Die Gäste erholten sich zwar von dem Schreckmoment und übernahmen sogar über weite Strecken die Spielkontrolle, die besseren Chancen verbuchte jedoch weiterhin der SCP: Nach 24 Minuten ließ Hans-Werner Moors das 1:0 liegen, zehn Zeigerumdrehungen später parierte der frühere Münsteraner Hans Bertram stark gegen den völlig freistehenden Deterding. Letzterer ging dann kurz vor dem Halbzeitpfiff im Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Walter Eschweiler zeigte sofort auf den Punkt. Ein zugegeben schmeichelhafter Elfmeter. Davon ließ sich Edmund Kaczor aber nicht beirren: Der erst 19-jährige verwandelte den Strafstoß souverän zur 1:0-Pausenführung (42.). 

Die Gäste waren nun sichtlich angestachelt und kamen mit viel Schwung aus der Kabine. Keine fünf Minuten nach Wiederanpfiff glich der BVB schon aus. Vorausgegangen war ein starkes Solo des Dortmunder Hans-Werner Hartl, bei dem die Preußendefensive allerdings auch zu passiv agierte (50.). Von dem Ausgleichstreffer der Borussen zeigte sich der SCP jedoch unbeeindruckt. Nur drei Minuten später stellte Klaus-Dieter Jank per Abstauber die Führung wieder.  

Fortan hatten die Hausherren die Oberhand – begünstigt auch durch einen Platzverweis gegen den Dortmunder Ernst Savkovic, der sich zu einer Tätlichkeit gegen Jank hinreißen ließ und mit glatt Rot vom Platz gestellt wurde. Dabei musste der aufgebrachte Savkovic erst von seinen eigenen Teamkollegen überzeugt werden, das Feld auch tatsächlich zu verlassen (61.). Die Überzahl wusste die Faßnacht-Elf direkt für sich zu nutzen: Karbowiak erhöhte per traumhaften Volley auf 3:1 (67.), ehe Rolf Blau nach Vorarbeit des überragenden Jank den umjubelten 4:1-Endstand besorgte (70.).  

Nach dem deutlichen Heimsieg stehen sowohl der SCP als auch der BVB bei 46:24 Punkten. Den zweiten Platz, der zur Teilnahme an den Bundesliga-Aufstiegsspielen berechtigt, halten die Dortmunder aufgrund der besseren Tordifferenz weiterhin inne. Da Spitzenreiter Tennis Borussia Berlin im Parallelspiel beim Wuppertaler SV mit 2:3 patzte, ist aber auch der direkte Aufstiegsplatz wieder in Reichweite. In den verbleibenden Spielen gegen Wattenscheid 09, die DJK Gütersloh und Fortuna Köln gilt es nun, noch einmal alle Kräfte zu bündeln – und den Traum von der Bundesliga Wirklichkeit werden zu lassen. 

Spieldaten 

Aufstellung SCP: Welz – Meis, Krekeler, Grünther, Karbowiak – Blau, Möhlmann, Moors – Jank, Deterding (80. Pleyer), Kaczor (80. Fuchs) 

Aufstellung BVB: Bertram – Savkovic, Schwarze, Votava, Huber – Hartl, Wolf, Ackermann, Varga (54. Wagner) – Vöge, Geyer (74. Segler) 

Tore: 1:0 Kaczor (42., FE), 1:1 Hartl (50.), 2:1 Jank (53.), 3:1 Karbowiak (66.), 4:1 Blau (70.) 

Gelbe Karten: Moors / Votava  

Rote Karte: – / Sakvokic  

Schiedsrichter: Walter Eschweiler 

Zuschauer: 35.000 (ausverkauft)  

 

 

Alle Beiträge