Das letzte Heimspiel der Saison 2025/2026 gegen den SV Darmstadt 98 gab die finale Bestätigung: Zum zweiten Mal in Folge ist der Heimbereich im LVM-Preußenstadion über eine gesamte Spielzeit hinweg ausverkauft gewesen. Auch wenn den Preußenfans aufgrund der Umbaumaßnahmen noch weniger Karten zur Verfügung standen als in der Vorsaison, ist das eine beeindruckende Quote. Zumal die Ticketnachfrage weitaus höher war als die Stadionkapazität hergab. Ein Blick in die Vergangenheit offenbart zudem, wie wenig selbstverständlich ein solcher Andrang ist: Vor 16 Jahren noch überschritt der SCP – damals in der Regionalliga West – im Schnitt so gerade die 3.000er Marke.   

Und dann gab es wiederum ganz andere Zeiten, in denen nicht einmal die Kapazität von 35.000 Zuschauern dem Andrang der Fans standhielt. Vor 50 Jahren, am 26. Mai 1976, strömten schätzungsweise 40.000 Fußballbegeisterte die Hammer Straße hinauf, um das Topspiel der 2. Bundesliga Nord zwischen dem SCP und Borussia Dortmund zu verfolgen – die womöglich, wenn auch inoffiziell, größte Kulisse des bald 100-jährigen LVM-Preußenstadions. Doch auch sportlich verdient dieser Tag einen besonderen Platz in der Vereins- sowie Stadiongeschichte. Schließlich besiegte der SCP den großen BVB mit 4:1 und schürte für kurze Zeit Hoffnung auf den Aufstieg in die Bundesliga.  

Schon im Vorfeld der Partie war klar: Dieses Zweitliga-Topspiel wollte keiner verpassen, weder auf Münsteraner noch auf Dortmunder Seite. Und so vermeldete der Sportclub ein ausverkauftes Haus am Mittwochabend. Augenzeugen berichteten allerdings von deutlich mehr als den angegebenen 35.000 Zuschauern, auch nach Anpfiff drängten sich weitere Fans ins Stadion. Für zwei Mark ließen die Einlasskontrollen weitere Anhänger passieren, bis die Polizei knapp eine Stunde nach Spielbeginn die Stadiontore endgültig dichtmachte. Das Ganze bei heftigem Meimelwetter. Der Legende nach waren die Zuschauermassen aber so dicht aneinandergerückt, dass der Regen nur ihre Schultern erreichte.  

Ob nun wegen verspäteter Ankunft oder beeinträchtigter Sicht: Nicht jeder bekam zu sehen, wie die Adlerträger groß aufspielten und die favorisierten Borussen mit 4:1 düpierten. Der SCP zogin der Tabelle mit dem zweitplatzierten BVB gleich, der Traum von der Rückkehr ins Fußballoberhaus zwölf Jahre nach dem Abstieg in der Premierensaison schien zum Greifen nah. Auch das organisatorische Selbstbewusstsein war nach dem geglückten Massenansturm gestiegen. Bis auf ein paar wenige Scharmützel war es auf den überfüllten Tribünen friedlich geblieben – warum sollte man es dann nicht auch mit den Zuschauerandrängen aufnehmen, die in der Bundesliga der FC Bayern oder Schalke 04 mitbringen würden?  

Doch so weit sollte es nicht kommen. Von den verbleibenden drei Spielen gewann der SC Preußen nur eins. Borussia Dortmund hingegen erledigte seine Hausaufgaben und setzte sich anschließend in den Aufstiegsspielen gegen den 1. FC Nürnberg durch. Der Traum vom Oberhaus? Geplatzt. Doch neben der Erinnerung an den glorreichen Auftritt gegen den BVB blieb den Adlerträgern noch ein anderer positiver Beigeschmack: Die Ticketerlöse von (offiziell) 230.000 DM stellten die bis dahin größte Einnahme des Sportclubs dar – ein wahrer Geldsegen für die finanziell angeschlagenen Adlerträger.  

Für die Helden von 1976 kam es beim Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 zum großen Wiedersehen: Begleitet von weiteren Preußenflemmern aus den 1970er Jahren Helmut Bake, Dietmar Lindes, Klaus Wolf und Elmar Jürgens, Vertretern der damaligen Vereinsführung Willi Springmann und Bruno Eilert sowie Ehrengast Bernhard Dietz trafen sich die Dortmund-Bezwinger Benno Möhlmann, Rolf Grünther und Werner Huber vor Anpfiff gemeinsam auf dem Rasen. Der Standort war derselbe wie vor 50 Jahren, das frühere „Rund“ gab allerdings ein stark verändertes Bild ab. Und dennoch dürfte es die Ehrengäste gefreut haben zu sehen, dass der SCP trotz sportlich herausfordernden Zeiten die Zuschauer wieder anlockt. Und bald, mit der Eröffnung der Osttribüne, wieder mehr Fans aufnehmen kann – auch wenn es keine 40.000 mehr werden.  

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