Am Sonntagnachmittag gegen 15:30 Uhr war es bittere Gewissheit: Nach Jahren des sportlichen Höhenfluges, garniert mit zwei Spielzeiten in der 2. Bundesliga, wird ein außergewöhnliches Kapitel beendet. Spiele wie der Auswärtssieg in Berlin, das Wunder von Magdeburg letztes Jahr, der Derbysieg in Bielefeld und das spektakuläre 3:3 in Hannover vor wenigen Tagen sind Vergangenheit, doch die Geschichte der Preußen geht weiter. Dass der Sportclub dabei, wie so oft, auf seine treuen Anhänger vertrauen kann, unterstrichen die letzten Minuten im letzten Heimspiel der Saison eindrucksvoll, als sich die Fans mit aufmunternden Worten und Gesängen von ihrer Mannschaft verabschiedeten.
Doch was bedeutet dieser Abstieg für den Adlerclub und mit welcher Perspektive geht er im Sommer in die 3. Liga? Darüber haben wir mit Ole Kittner, Geschäftsführer Sport, Strategie & Kommunikation im Kurzinterview gesprochen.
Ole, im Corona-Jahr hast du als Spieler einen Abstieg miterlebt, jetzt als Geschäftsführer. Wie gehst du persönlich damit um?
Ein Abstieg ist für Fans, Mitarbeitende, Spieler und alle, die es mit Preußen Münster halten, ein harter Rückschlag – natürlich auch für mich. Ich weiß, wie viel dieser Club den Menschen bedeutet und wie viel Herzblut damit verbunden ist.
Wie hast du die Reaktion der Fans nach dem Spiel erlebt?
Das war außergewöhnlich und wenn ich darüber spreche, packt es mich direkt wieder. Der Club, seine Fans, unsere Partner und Sponsoren haben schon einige Rückschläge aushalten müssen, aber seit dem Regionalligaaufstieg vor drei Jahren gab es nur eine Entwicklung und die ging linear nach oben. Das macht natürlich etwas mit den Menschen und der Erwartungshaltung. Irgendwann kommt der sportliche Rückschlag und man fragt sich, was passiert dann? Am Sonntag hat Preußen Münster dann in der Niederlage eine Haltung gezeigt, die im Profifußball alles andere als selbstverständlich ist.
Gibt es so kurz nachdem Fakten geschaffen wurden schon erste Erklärungsansätze?
Wir werden die Saison kritisch analysieren, um die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Im Sport wirken viele Faktoren und natürlich wussten wir schon vor der Saison, dass Preußen Münster in dieser 2. Bundesliga sehr hart um jeden Punkt kämpfen muss. Auch wenn sich der Club auf allen Ebenen entwickelt, sind wir aktuell weder wirtschaftlich noch infrastrukturell aus uns selbst heraus wettbewerbsfähig in dieser Liga. Die gute Hinrunde hat diese Fakten in den Hintergrund gedrängt und eine gewisse Erwartungshaltung geschürt, die wir auf Strecke nicht halten konnten. Gleichzeitig müssen wir auch ehrlich festhalten, dass wir in entscheidenden Momenten durch eigene Fehler Spielverläufe abgegeben und in der Folge Ergebnisse nicht erzielt haben. Das Gefühl bleibt, dass sowohl im Spiel gegen Darmstadt am letzten Wochenende als auch im Saisonverlauf mehr drin war.
Mit welcher Perspektive geht der Club in die neue Saison und damit in die 3. Liga?
Der Abstieg aus der 2. Liga ist sehr bitter, er stellt aber die grundsätzliche Weiterentwicklung des Clubs nicht infrage. Wir haben uns in den zurückliegenden Jahren von einem Traditionsverein ohne Stadionperspektive und ohne wirtschaftliche Substanz in der Regionalliga West zu einem echten Botschafter und einer wichtigen Plattform für die Region entwickelt. Die erhöhten Einnahmen der letzten zwei Jahre haben wir sehr bewusst eingesetzt und damit eine wirtschaftlich und sportlich tragfähige Grundlage für den Club geschaffen. Beispielweise haben wir mit dem Leistungszentrum Münsterland ein sportliches sowie kulturelles Rückgrat für den Verein aufbauen können, die Trainingsbedingungen wurden verbessert und dank einer verantwortungsvollen Budgetplanung steht der Club heute wirtschaftlich solide und quasi schuldenfrei da. Mit Blick auf den Stadionumbau werden die Voraussetzungen geschaffen, dass wir zukünftig aus uns selbst heraus eine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit generieren, die dann auch nachhaltigen sportlichen Erfolg möglich macht. All das lässt uns positiv nach vorne blicken.
Wie ordnest du die 3. Liga insgesamt ein und wo siehst du den SCP in dieser Klasse?
Die 3. Liga ist eine Herausforderung. Natürlich stehen wir heute anders in der Liga als noch 2019 oder zuletzt 2023. Die Perspektive ist sehr gut und dennoch sind wir noch nicht in einem stabilen Zustand als Club. Wir werden diese Aufgabe mit Realismus, Klarheit und Respekt angehen. Diese Haltung passt zu uns. Wir wissen, wo wir herkommen, wo wir aktuell stehen und wo wir langfristig hinwollen.



