Es hatte sich in den vergangenen Wochen ein wenig angebahnt. Am Sonntag war es schließlich offiziell: Nach zwei aufregenden Jahren in der 2. Bundesliga stieg der SC Preußen Münster in die 3. Liga ab. In einem zunächst unterhaltsamen, später dann zähen letzten Heimspiel kamen die Adlerträger gegen den SV Darmstadt 98 nicht über ein 1:1 hinaus. Da Fortuna Düsseldorf im Parallelspiel gegen die SV Elversberg mit 3:1 gewann, hätte allerdings auch ein Sieg nicht gereicht, um die Chance auf den Relegationsrang zu wahren. Nach dem Spiel überwog die Trauer bei den Preußen, die nach Abpfiff einmal mehr die bedingungslose Unterstützung der Fans zu spüren bekamen.
Nach dem 3:3-Unentschieden bei Hannover 96 nahm Trainer Alois Schwartz lediglich eine Änderung in der Startformation vor: Luca Bolay feierte nach monatelanger Verletzungspause sein Comeback, Babis Makridis rückte dafür auf die Rechtsverteidigerposition, die aufgrund der Gelbsperre von Jano ter Horst vakant geworden war.
Dass es für die Gäste aus Südhessen tabellarisch um nichts mehr ging, war den Lilien nicht anzumerken. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt machte einen sehr frischen Eindruck und spielte von Beginn an mutig nach vorne. Mateij Maglica und Raoul Petretta verpassten es jedoch, für den frühen Schock im LVM-Preußenstadion zu sorgen. Stattdessen nutze Shin Yamada eine Unstimmigkeit in der Darmstädter Hintermannschaft zur umjubelten Preußenführung aus (8.). Der Japaner wurde mustergültig von Jorrit Hendrix auf die Reise geschickt und vollendete abgeklärt durch die Beine des nur zögerlich herauskommenden Marcel Schuhen. Ein Treffer der Hoffnung schürte, die allerdings nur sechs Minuten später wieder gedämpft wurde. Diesmal luden die Adlerträger den Gast ein: Isac Lidberg erlief einen Fehlpass von Makridis, dribbelte in den Strafraum und zielte auf den kurzen Pfosten. Der Ausgleich, der die Hausherren sichtlich traf. Denn wenig später kombinierte sich der SVD wieder durch, diesmal zog Marco Richter knapp über den Kasten von Johannes Schenk (16.).
Der SCP schüttelte sich daraufhin jedoch und suchte wieder den Weg nach vorne. Dabei hatte Yamada gleich doppelt die Chance seinen ersten Doppelpack für den Adlerclub zu schnüren (20.). Die Schwarz-Weiß-Grünen machten jetzt ordentlich Druck, doch weder der direkte Freistoß von Bolay (24.) noch Hendrix‘ Versuch aus 18 Metern (25.) fanden den Weg ins Tor.
Und wieder nahm das Spiel eine unerwartete Wendung ein: Schiedsrichter Lukas Benen stellte Hendrix mit glatt Rot vom Feld, nachdem dieser seinen Gegenspieler mit offener Sohle traf (28.). Der nächste Schreckmoment ließ nicht lange auf sich warten: Ein langer Ball der Lilien rutschte durch, Killian Corredor umkurvte den herausstürmenden Schenk, der den Franzosen schließlich regelwidrig aufhielt. Elfmeter – eine Sache für den Darmstädter Torjäger Lidberg, der die Gelegenheit jedoch zu lässig anging und ohne Druck in die Mitte schob. Schenk ahnte dies und hielt das schmeichelhafte 1:1 zur Pause fest (37.).
Nach dem Seitenwechsel übernahmen die Gäste die Spielkontrolle. Richtig gefährlich wurde es derweil aber nur beim Abschluss von Hiroki Akiyama, der knapp am linken Pfosten vorbeirauschte (50.). Die Adlerträger lauerten in Unterzahl auf Konter und bekamen einen solchen in der 65. Minute, als Bouchama im Mittelfeld den Ball stibitzte und alleine aufs Tor zulief, am Ende aber doch noch von Maglica geblockt wurde. In der Folge plätscherte das Spiel vor sich hin. Darmstadt hatte noch einmal die große Chance zum späten Siegtreffer, Schenk parierte den direkten Freistoß von Richter aber in herausragender Manier (89.).
Auf den Rängen wussten mittlerweile alle Bescheid, dass Düsseldorf mit 3:1 gegen Elversberg führt. Der Abstieg war im Grunde besiegelt. Und doch erhoben sich die Fans des SCP noch einmal, um ihre Mannschaften durch die Schlussminuten zu tragen. Und auch nach Abpfiff um 15:26 Uhr Ortszeit erhielt die Mannschaft Standing Ovations aus dem ausverkauften Heimbereich. Diese Reaktion zeigt einmal mehr, was uns als Preußen Münster ausmacht: Wir halten zusammen, egal was passiert. Wir fallen gemeinsam hin und werden gemeinsam wieder auferstehen.
Florian Kohfeldt: „An einem Tag, an dem ein Verein absteigt, verzichte ich auf eine Analyse des Spiels. Preußen Münster ist ein geiler Traditionsverein, dem ich alles Gute wünsche. Ich hoffe, dass sie bald wiederkommen und ihre Ziele erreichen.“
Alois Schwartz: „Ich stimme Florian zu: Preußen ist ein geiler Verein, der zusammenhält. Das hat man heute wieder gesehen. Trotzdem ist heute ein sehr trauriger Tag. Wir haben die letzten drei Spiele an uns gezogen und doch wieder hergeben. Die Mannschaft zeigt ein gutes Gesicht und verteidigt über eine Stunde in Unterzahl gegen eine extrem starke Offensive. Der Wille war da, das Spiel zu gewinnen. Aber wir machen zu viele einfache, naive Fehler.“
Spieldaten
Aufstellung SCP: Schenk – Makridis, Heuer, Koulis, Bolay (Raschl, 66.) – Bouchama (Lokotsch, 90.+4), Paetow, Hendrix – Schulz (Meyerhöfer, 46.), Rondic, Yamada (Vilhelmsson, 76.)
Aufstellung SVD: Schuhen – Maglica (Bialek, 86.), Pfeiffer (Dettoni, 9.), Klefisch – Furukawa, Schmidt (Lakenmacher, 63.), Akiyama, Petretta – Richter, Lidberg, Corredor
Tore: 1:0 Yamada (8.) 1:1 Lidberg (15.)
Gelbe Karten: Bolay, Paetow / Maglica
Rote Karte: Hendrix
Schiedsrichter: Lukas Benen
Zuschauer: 9.865
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