Nach den beiden „Mentalitätssiegen“ gegen den TSV Havelse und der U21 des VfB Stuttgart (jeweils 2:1) wurde die Charakterstärke des SC Preußen ein weiteres Mal auf die Probe gestellt. Und wieder einmal zeigte die Mannschaft von Thomas Wörle, dass man sie nie abschreiben darf. Gegen den 1. FC Saarbrücken lief der SC Preußen zur Pause einen 1:3-Rückstand hinterher, drehte diesen mit einem Doppelschlag inklusive Traumtor nach dem Seitenwechsel aber noch.
Cheftrainer Wörle haderte nach Schlusspfiff mit dem Fehlstart seiner Mannschaft, konnte dem unterhaltsamen Remis vor 12.694 Zuschauern im LVM-Preußenstadion allerdings auch viel positives abgewinnen: „Ein total wildes und intensives Spiel – ein offener Schlagabtausch. Die ersten 20 Minuten haben wir ziemlich verschlafen und gemerkt, wie viel Qualität und Erfahrung der Gegner schon mitbringt. Man hat uns in der Anfangsphase und hintenraus angesehen, dass uns der eine Tag mehr zur Regeneration gefehlt hat. Wir haben aber versucht alle Kräfte zu bündeln. Die Art und Weise, wie wir mit der Unterstützung unserer Fans aus der Pause kommen war überragend. Mit letztem Eifer, Willen und Leidenschaft haben wir das Ergebnis nach Hause gebracht. Für uns ist das ein guter Punkt.“
Drei Wechsel in der Startelf
Mit Blick auf die Englische Woche hatte Wörle zuvor „frische Beine und frische Köpfe“ angekündigt und folgerichtig drei Wechsel in der Startformation vorgenommen: Samuel Althaus und Philipp Maier – die beide ihr Startelf-Debüt für den SCP feierten – sowie Louis Kolbe begannen für Rico Preißinger, Felix Higl und Leon Tasov. Wie schon in der zweiten Hälfte des Auswärtsspiels in Aspach trug Torge Paetow die Kapitänsbinde.
Der 1. FC Saarbrücken reiste mit beachtlichen 14 Toren aus fünf Spielen an die Hammer Straße und diese Offensivgewalt bekamen die Hausherren direkt zu spüren. Nach gerade einmal drei Minuten nutzte Alexander Staff einen Abpraller von Morten Behrens und schob zu frühen Führung ein. Bevor der Minutenzeiger die 20 erreichte, erhöhte Kelsey Owusu schon auf 0:2 und vollendete dabei einen starken Sololauf, der in der eigenen Spielhälfte seinen Ursprung fand. Kalte Dusche für den SCP, der sich über einen höheren Rückstand nicht hätte beschweren dürfen.
Makridis mit der schnellen Antwort
Doch die Adlerträger versammelten sich im Kreis, steckten die Köpfe zusammen und fanden die passende Reaktion: Kolbe mit Tempo über rechts, Flanke in Zentrum, Babis Makridis mit dem Kopfball – drin! Der Anschlusstreffer mit der ersten gefährlichen Torchance (21.). Und die Preußen blieben bemüht, fanden aber weiterhin kein richtiges Mittel gegen die zielstrebigen Angriffe der Gäste. Dass ausgerechnet der Ex-Münsteraner Florian Pick den alten Abstand wiederherstellte (29.), passte irgendwie zu dieser recht verkorksten ersten Hälfte. Wobei es der Wörle-Elf gewiss nicht an Willen und Überzeugung fehlte. Noch vor dem Pausenpfiff ließen Althaus und Marvin Schulz gute Gelegenheiten zum erneuten Anschluss liegen.
Ndikoms erster Ballkontakt sitzt
Der zweite Spielabschnitt brauchte etwas, um in Fahrt zu kommen, nahm dann aber richtig Geschwindigkeit auf: Wie schon gegen Havelse nickte Lucas Zeller eine Freistoßflanke von Ryan Johansson ein (57.), ehe der kurz zuvor erst eingewechselte Montell Ndikom mit einem Traumtor das LVM-Preußenstadion so richtig in Ekstase brachte (61.). Der Neuzugang traf den Ball mit seinem ersten Ballkontakt perfekt: Von der Unterkante der Latte prallte der Ball ins Netz, auf den Rängen gab es kein Halten mehr. Als wollte er es seinem Teamkollegen nachahmen, fasste sich Johansson in der 67. Minute ebenfalls ein Herz – und zwang FCS-Schlussmann Matteo Bignetti so zu einer Glanztat.
Das Publikum war da, die Spieler waren da, der Gegner aber auch noch. Denn auch Saarbrücken kam zu Gelegenheiten: Erst rettete Paetow (77.), dann Behrens gegen Kai Brückner (83.), der im Strafraum immer wieder von seinen Teamkollegen auf den Flügeln gesucht wurde. Ein letztes Raunen ging in der vierten Minute der Nachspielzeit durchs Stadion, als Tikvic in höchster Not gegen Maurice Multhaup klärte. Der Ball segelte über den Kasten, der hart erkämpfte Punktgewinn hielt Bestand.
Spieldaten
Aufstellung SCP: Behrens – Paetow, Zeller, Tikvic – Kolbe, Maier (Preißinger, 71.), Althaus (Nidkom, 61.), Varelmann (Tasov, 86.) – Johansson (Adeh, 61.), Schulz II (Higl, 61.), Makridis
Aufstellung FCS: Bignetti – Rizzuto (Fahrner, 78.), Cvjetinovic, Voet, Bretschneider – Gleiber (Kamara, 78.), Sontheimer – Pick, Owusu (Multhaup, 59.) – Brünker (Caliskarner, 85.), Staff (Kühlwetter, 59.)
Tore: 0:1 Staff (4.) 0:2 Owusu (19.) 1:2 Makridis (21.) 1:3 Pick (29.) 2:3 Zeller (57.) 3:3 Ndikom (62.)
Gelbe Karten: – / Pick
Schiedsrichter: Simon Schreiner
Zuschauer: 12.694
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