Es war schon ein hartes Stück Arbeit, der 1:0-Heimsieg gegen ein kompakt verteidigendes Fortuna Köln am vergangenen Sonntag. Ein Kampfsieg, der einmal mehr unterstrich, dass es in dieser 3. Liga keine einfachen Spiele gibt. Ein hartes Stück Arbeit kommt nun auch an Allerheiligen (Sonntag, 19:30 Uhr) auf den SC Preußen zu, der beim TSV Alemannia Aachen zu Gast ist. Dort erwartet die Adlerträger ein echter Sturmlauf. „Sie werden uns direkt hoch attackieren und jagen. Da müssen wir unser Spiel mit und gegen den Ball finden“, sagt Cheftrainer Thomas Wörle vor der Auswärtspartie am 12. Spieltag.
Duell mit langer Geschichte
Doch zunächst ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit: 84 Begegnungen beider Vereine verzeichnet das Archiv, nur Rot-Weiss Essen kommt nach dem jüngsten Westschlager auf gleich viele Duelle mit dem SCP. Das anstehende Spiel trägt demnach reichlich Tradition in sich, auch wenn die Paarung in den 2000er-Jahren gänzlich von der Bildfläche verschwand. Die Adlerträger bewegten sich in der Zeit zwischen Regionalliga und Oberliga, der TSV zwischen 2. Bundesliga, Bundesliga und zwischenzeitlich sogar UEFA-Cup (2004/05 als DFB-Pokalfinalist qualifiziert). Das erste Wiedersehen gab es 2012 in der 3. Liga: Beide Duelle gingen an Münster (4:1 & 2:1). Zum Ende der Saison trennten sich die Wege beider Clubs wieder, denn die Alemannia stieg in die Regionalliga ab und kehrte erst 2024 wieder auf die Bühne des Profifußballs zurück.
Intensiver Spielstil
Nach einer soliden ersten Spielzeit nach dem Aufstieg, die die Öcher auf dem zwölften Tabellenplatz abschlossen, folgte eine schwierige Hinrunde 2025/26, in der sich der Verein von seinem Trainer Benedetto Muzzicato trennte. Nach einer kurzfristigen Interimslösung wurde sein Amt von Mersad Selimbegovic übernommen, der das Ruder herumriss und eine fulminante Restsaison einleitete: 2,04 Punkte pro Spiel, zweitbestes Rückrundenteam der Liga mit 43 Punkten und mit Platz sieben eine Position im oberen Tabellendrittel statt im Abstiegskampf.
„Aachen ist im dritten Jahr in der 3. Liga. Für mich gehören sie zum Kreis der Mannschaften, die ganz oben mitspielen werden. Dort ist etwas gewachsen“, erkennt auch Wörle an. Seinen Toptorjäger der Vorsaison, Lars Gindorf (28 Tore & 11 Assists, nach Leihe zurück in Hannover), konnte der TSV nicht halten. Dafür trägt sein kongenialer Partner Mika Schroers, der ebenfalls überragende 21 Tore und 11 Assists verbuchte, weiterhin das Trikot der Alemannia. Und so ist ein Gerüst geblieben, das auch in dieser Saison in der Lage ist, die Spielidee von Selimbegovic umzusetzen. Mit 17 Punkten stehen die Schwarz-Gelben derzeit auf dem fünften Tabellenplatz und befinden sich damit in Lauerstellung auf die Aufstiegsränge.
„Die Daten zeigen auch, dass sie eine hohe Intensität gehen, aggressiv sind. Und natürlich haben sie eine lautstarke Kulisse im Rücken“, verweist Wörle auf die Atmosphäre im Aachener Tivoli, der mit bislang 23.862 Zuschauern pro Spiel den dritthöchsten Zuschauerschnitt der 3. Liga aufweist und eine ganz eigene Wucht entwickelt. Dieser Wucht wollen sich die Adlerträger natürlich entgegenstellen und mit mindestens 1.628 mitreisenden Gästefans im Rücken etwas Zählbares aus dem Rheinland entführen.
Stabilität finden
Für diese Herausforderung, wie auch für die anstehenden Aufgaben, freut sich Wörle, neben den vielen Talenten im Preußenkader auch auf seine gestandenen Spieler setzen zu können. Beispielsweise Kapitän Niko Koulis, der gegen Köln sein Liga-Comeback nach mehrwöchiger Verletzungspause feierte: „Jeder Trainer wünscht sich natürlich eine Achse, die Stabilität verleiht. Wir waren in der Vergangenheit oft gezwungen zu wechseln. Diese Achse wollen wir jetzt mehr und mehr finden. Dass Niko zurück ist, tut uns zum Beispiel sehr gut. Wir kommen dem näher.“
Oder auch Babis Makridis, der im vergangenen Heimspiel das entscheidende Siegtor erzielte und darüber hinaus mit temporeichen Dribblings den Gegner vor Probleme stellte. „Babis ist gerade dabei, auf seine Art Verantwortung zu übernehmen. Er hat gerade in der Offensive besondere Anlagen. Ihm muss man eher immer mal mitgeben, wie stark er eigentlich ist. Für uns ist er ein wichtiger Faktor“, betont Wörle.
Mit beiden Akteuren ist auch in Aachen zu rechnen. Daheimbleiben werden dagegen Luca Bolay, Oscar Vilhelmsson, Ryan Johansson (verletzt), Simon Scherder (Aufbautraining), Lucas Zeller (Gelbsperre) und Jakob Korte (Gelb-Rot Sperre aus U23-Spiel).
Was der Trainer sonst noch zum anstehenden Westduell zu berichten hat, erfahrt ihr wie immer bei nullsechs.TV.
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