Eine Halbzeit lang war der SC Preußen dem Favoriten überlegen, am Ende steht aber das bittere Aus im DFB-Pokal. Die Adlerträger unterliegen trotz verdienter Führung dem Zweitligisten Karlsruher SC, der zur Pause erfolgreich umgestellt hatte, mit 1:2, verabschieden sich jedoch erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb.

Mit nahezu unveränderter Startformation ging das Trainerteam die Mission Heimsieg an: Lediglich Tim Dietrich fehlte angeschlagen, für ihn rückte Antonio Tikvic in die Dreierkette. Der 22-Jährige war auch direkt in der ersten brisanten Aktion verwickelten, klärte im genau richtigen Moment vor dem heranstürmenden Rafael Pinto Pedrosa (2.).

Nach diesem ersten, durchaus aussichtsreichen Angriff des KSC entwickelte sich ein offenes Spiel, bei dem der SCP sich keineswegs nur hinten reindrängen ließ, sondern auch eigene offensive Akzente setzte. Wie in der 8. Spielminute, als Babis Makridis nach einem schön vorgetragenen Angriff Rechtsverteidiger Sebastian Jung alt aussehen ließ, seine flache Hereingabe Felix Higl im Zentrum jedoch nicht richtig erwischte. Da war mehr drin, wie auch beim Versuch von Louis Kolbe aus 18 Metern, der im Fangnetz über dem Tor einschlug. Vorausgegangen war auch diesmal ein sehr zielstrebig geführter Spielzug der Adlerträger (16.).

Die Gäste verzeichneten zwar mehr Ballbesitz (60 % im ersten Durchgang), kamen aber vorrangig über Standardsituationen zu Möglichkeiten. So auch in der 14. Minute, als Morten Behrens eine von Marcel Franke verlängerte Einwurf-Flanke über den Querbalken lenkte. Aus dem Spiel heraus blieben die Hausherren gefährlicher: Der auf dem linken Flügel wirbelnde Makridis ließ seinem Gegenüber Jung abermals keine Chance, nur im Abschluss fehlte dem 30-Jährigen das nötige Glück (29.). So manch einer hatte da schon den Torjubel auf den Lippen, sechs Minuten später war es dann Montell Ndikom, der das ausverkaufte LVM-Preußenstadion zum Beben brachte: Nach einer Balleroberung hatte sich Ryan Johansson eigentlich schon festgelaufen, Ndikom angelte sich jedoch das Spielgerät am Sechzehner und zog ab, der etwas sichtbehinderte Hans Bernat im Karlsruher Kasten schaute nur hinterher. Die verdiente Pausenführung, auch wenn der KSC kurz vor Halbzeitpfiff – wieder nach einem Standard – eine gute Doppelchance liegen ließ.

Gästecoach Maximilian Senft reagierte und brachte mit Wiederanpfiff den hochveranlagten Louey Ben Farhart für Noel Eichinger. Ein Wechsel, der sich bezahlt mache sollte, denn der KSC fand mit drei Angreifern nun deutlich mehr Lösungen gegen das Abwehrbollwerk der Preußen. Beispielsweise über ebenjenen Farhart, der auch den ersten Abschluss des zweiten Durchgangs verzeichnete, dabei aber knapp am langen Pfosten vorbeizog (54.). Die Badener erhöhten jetzt den Druck: Erst verpasste Moritz Broschinski eine flache Hereingabe um Zentimeter (57.), dann scheitere Ben Farhart aus der Distanz an Behrens (61.).

Die Wörle-Elf atmete kurz durch und setzte auch wieder vereinzelt offensive Akzente. Dann schlug jedoch die Stunde des Marvin Wanitzek, der nur einen Versuch brauchte, um auf Gleichstand zu stellen. Der Kapitän versenkte das Leder trocken aus 25 Metern im unteren Eck (69.).

Und es kam noch bitterer: Jung drehte die Partie komplett, wobei sowohl Vorlagengeber Broschinski als auch der aktiv mitgelaufene Ben Farhat aus abseitsverdächtiger Position gestartet waren (81.). Der SCP bäumte sich auf, warf noch einmal alles noch vorne, hatte jedoch Pech, dass Makridis in der 89. Minute keinen Strafstoß zugesprochen kam. Stattdessen wurde in einer hitzigen Schlussphase der eingewechselte Samuel Althaus noch wegen groben Foulspiels vom Platz gestellt.

Thomas Wörle: „Für uns ist das ein sehr enttäuschendes Ergebnis, weil wir lange Zeit geführt haben. In der ersten Halbzeit haben wir den Gegner kaum zur Entfaltung kommen lassen und gleichzeitig unsere eigenen Momente kreiert haben. Nach dem Seitenwechsel hatten wir Probleme, die Räume zu schließen. Wir waren nicht mehr ganz so frisch im Kopf und in den Beinen, um die Situationen besser zu verteidigen, auch wenn mir die Tore etwas zu einfach fallen. Trotzdem muss ich sagen, dass wir heute gemeinsam mit unseren großartigen Fans unfassbar viel Energie erzeugt haben. Es war ein echter Pokalfight, leider mit dem bitteren Ende für uns.“   

Spieldaten

Aufstellung SCP: Behrens – Zeller (Paetow, 79.), Koulis, Tikvic – Kolbe (Tasov, 63.), Adeh (Althaus, 63.), Preißinger, Makridis (Varelmann, 85.) – Ndikom, Higl, Johansson (Demirhan, 85.)

Aufstellung KSC: Bernat – Jung, Kobald, Franke, Ofli – Pinto Pedrosa (Fukuda, 90.), Zor (Väänänen, 86.), Wanitzek, Wiethaup (Civeja, 74.) – Eichinger (Ben Farhat, 46.), Broschinski

Tore: 1:0 Ndikom (35.) 1:1 Wanitzek (69.) 1:2 Jung (81.)

Gelbe Karten: – / Civeja

Rote Karte: Althaus

Schiedsrichter: Florian Badstübner

Zuschauer: 13.945

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