Traditionsduelle sind längst keine Seltenheit in der 3. Liga, in der seit ihrer Gründung im Jahr 2008 schon zahlreiche Clubs voller Geschichte, leidenschaftlicher Anhänger und großer Ambitionen aufeinandergetroffen sind. Ohne Zweifel zählt hierzu auch das NRW-Duell der beiden Bundesliga-Gründungsmitglieder SC Preußen Münster und MSV Duisburg, die sich bereits zehn Mal in der 3. Liga begegnet sind. Bei jeder Partie lag eine gewisse Spannung in der Luft, nahezu jede Partie wurde von einer beachtlichen Kulisse begleitet. So auch die Neuauflage am Samstag zur Drittliga-Topspielzeit um 16:30 Uhr, wenn das LVM-Preußenstadion wie bei den beiden vorherigen Heimkrachern gegen Rot-Weiss Essen und Fortuna Düsseldorf restlos ausverkauft sein wird.
Nicht von ungefähr erwartet Trainer Thomas Wörle einen “Hochkaräter der Liga”. Mit 26 Punkten stehen die Duisburger derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz. Eine Situation, die beim letzten Aufeinandertreffen im Februar 2024 noch ganz anders aussah: Damals besiegten die Hausherren die Zebras mit 3:1 und setzten anschließend ihren Lauf fort, der letztendlich im sensationellen Aufstieg in die 2. Bundesliga mündete. Die Meidericher hingegen taumelten immer weiter in Richtung Regionalliga und stiegen zum Saisonende erstmals in die Viertklassigkeit ab. Ein Tiefpunkt der jüngeren Vereinsgeschichte, doch wie Phönix aus der Asche erhob sich Duisburg wieder: Auf den direkten Wiederaufstieg 2025 folgte beinahe der Durchmarsch in die 2. Bundesliga, erst am letzten Spieltag der Vorsaison rutschte der MSV vom Relegationsrang ab.
Eingespielte Truppe
Auch im bisherigen Saisonverlauf setzt sich der Aufschwung fort: Mit acht Siegen aus den ersten neun Spielen stellte die Elf von Dietmar Hirsch einen neuen Drittliga-Startrekord auf. „Ihre Mannschaft ist nahezu komplett zusammengeblieben und dadurch natürlich sehr gewachsen und eingespielt“, sagt Wörle über den kommenden Gegner, der sein Gerüst um Schlussmann Maximilian Brauner, Kapitän Rasim Bulic und Torjäger Lex Tyger Lobinger (7 Tore) halten und darüber hinaus u.a. mit der Schalke-Leihgabe Peter Remmert (5 Tore) punktuell verstärken konnte.
Gemeinsam mit Spitzenreiter Viktoria Köln stellt Duisburg die treffsicherste Offensive (31 Tore), dabei definieren sich die Zebras bei durchschnittlich 47,9 % Ballbesitz nicht sonderlich über Spielkontrolle. „Sie treten sehr aggressiv auf, spielen gegen den Ball häufig Mann gegen Mann und legen einen klaren Fokus auf das Umschaltspiel. Nach Kontern sind sie die gefährlichste Mannschaft der Liga“, so Wörle. Mit Blick auf das Teamgefüge und die Qualitäten liegt es demnach „auf der Hand, dass sie zum Kreis der Aufstiegskandidaten zählen“.
Zuletzt geriet die Maschinerie allerdings ins Stocken. Seit drei Spielen wartet der MSV auf einen Sieg. Die Niederlage in Ingolstadt (1:2) und das 3:3-Remis in der Vorwoche gegen Stuttgarts U21 kamen dabei überraschender daher als das 1:1 im Spitzenspiel gegen Köln. Zumal Hirschs Mannschaft gegen den VfB eine 3:0-Führung (nach gerade einmal zehn Minuten) noch aus der Hand gab. „Das ist sicherlich keine leichte Phase für sie, trotzdem stehen sie auf Platz zwei. Da werden wir alles in die Waagschale werfen müssen und genau das auch tun“, mahnt Wörle, der nichtsdestotrotz am Samstag die Chance sieht, nicht nur „Paroli zu bieten, sondern auch erfolgreich zu sein“.
Erinnerungen an das Essen-Spiel
Dass seine Mannschaft dazu fähig ist, hat sie insbesondere in der ersten Halbzeit gegen Rot-Weiss Essen (3:3) unter Beweis gestellt, als die Adlerträger den ambitionierten Rivalen kontrollierten und verdientermaßen mit einer 2:0-Pausenführung in die Kabine gingen. „Es ist wichtig, dass wir uns an sowas wieder erinnern. Erlebnisse wie dieses zeigen uns: Wir können das packen, wenn wir unsere starken Phasen verlängern.“
Dabei ist das Trainerteam auf zumindest einer Position zur Rotation gezwungen: Tim Dietrich wird nach seiner Gelb-Roten Karte in Aachen fehlen, dafür steht Lucas Zeller nach abgesessener Gelbsperre wieder zur Verfügung. Verletzungsbedingt ausfallen wird weiterhin das Quartett um Simon Scherder, Luca Bolay, Ryan Johansson und Oscar Vilhelmsson.
Samstagnachmittag, Westkracher, Heimspiel, ausverkauftes LVM-Preußenstadion. Noch Fragen? Womöglich beantwortet sie euch unser Cheftrainer bei nullsechs.TV. Dort haben wir mit ihm über die anstehende Herausforderung gesprochen.
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