Am Freitagabend empfing der SC Preußen Münster den Tabellendritten Rot-Weiss Essen zum 84. Westschlager, der zum 42. Mal an der Hammer Straße stattfand. Und im restlos ausverkauften LVM-Preußenstadion trotz heftigem Münsteraner Meimelwetter und peitschendem Wind eine würdige Kulisse vorfand. Dabei wurde den 13.945 Zuschauern von Anfang an viel geboten: Eine hohe Intensität, rassige Zweikämpfe und ein hochdramatisches Spiel, das die Adlerträger nach 2:0-Halbzeitführung zu verschenken drohten. Kurz vor Schluss gelang der Wörle-Elf der mehr als verdiente Ausgleich zum 3:3. Letztendlich überwiegte dennoch ein wenig die Enttäuschung, den starken Auftritt nicht in drei Punkten umgemünzt zu haben.
Im Vergleich zum inzwischen fast drei Wochen zurückliegenden Spiel in Mannheim nahm Thomas Wörle drei Änderungen in der Aufstellung vor: Babis Makridis, Samuel Althaus und Romario Rösch begannen anstelle von Rico Preißinger, Louis Kolbe und dem verletzten Ryan Johansson. Für Neuzugang Rösch war es das Startelfdebüt vor heimischer Kulisse. Der beidfüßige Flügelspieler ordnete sich auf der rechten Schiene ein.
Essen beginnt selbstbewusst, Münster antwortet
Die Gäste aus dem Ruhrgebiet traten mit reichlich Selbstvertrauen auf und die breite Brust aus sechs Ligaspielen ohne Niederlage in Serie machte sich direkt bemerkbar. Nach gerade Mal einer Minute befand sich Marvin Obuz in aussichtsreicher Abschlussposition, erwischte den Ball nach Rücklage von Lucas Brumme jedoch nicht richtig. Nur kurz darauf setzte Jannik Hofmann mit einem Distanzschuss die zweite Duftmarke von RWE.
Die Adlerträger beeindruckte der stürmische Anfang recht wenig: Gegen die sehr hoch verteidigende Essener Abwehrreihe suchte die Wörle-Elf zielstrebig den Weg nach vorne. Den ersten Abschluss verzeichnete Montell Ndikom, der jedoch im Strafraum geblockt wurde (10.). Bei seinem zweiten Versuch konnte die Essener Defensive jedoch nur hinterherschauen. Nach überragender Balleroberung von Felix Higl landete der Ball über mehrere Stationen beim jungen Angreifer, der das Leder in den Winkel versenkte (16.). Abermals ein Traumtor des Neuzugangs, wobei die vorherige Teamarbeit dem Weltklasse-Abschluss in Qualität nichts nachstand.
Adlerträger legen nach
Makridis hatte sogar die Chance früh nachzulegen, als er am herausstürmenden Schlussmann Jakob Golz vorbeidribbelte, am Ende aber doch noch von einem Rot-Weissen Verteidiger abgefangen wurde (23.). Etwas später fehlte der Nummer 14 des SCP die nötige Wucht beim Abschluss, um Golz wirklich zu prüfen (31.). Dafür wurde seine butterweiche Flanke brandgefährlich – und landete über Jose Enrique Rios Alonsos Kopf im Netz (38.).
Kurz vor dem Pausenpfiff kochten noch einmal die Emotionen hoch, es kam zu einer Rudelbildung, die Schiedsrichter Felix Bickel mit Verwarnungen gegen Ndikom, Hofmann und Janne Sietan abstrafte.
Ohne Wechsel ging es in den zweiten Durchgang, auf dem unter der Woche neuverlegtem Rasen bot sich auch sonst ein ähnliches Bild wie zuvor: Gegen gleichermaßen leidenschaftliche wie strukturierte Adlerträger fand RWE kein adäquates Mittel. Der Anschlusstreffer durch Maret Janssen fiel praktisch aus dem Nichts (60.) Allerdings hatte der 195 cm große Stürmer bei seinem Kopfball auch zu viel Platz. Die Gäste bekamen nun Oberwasser, dem SCP schwanden zunehmend die Kräfte. Bis auf einen eher ungefährlichen Abschluss des eingewechselten Noah Pesch (70.) ließ die Defensive jedoch nichts zu.
Dramatische Schlussphase
Auf der anderen Seite meldete Higl seine Farben mit einem scharfen Distanzschuss (72.) wieder offensiv an und das zeigte Wirkung: Nur wenige Momente später scheiterte er aus kurzer Distanz an Golz (76.), ebenso Varelmann (77.). Zwei Hochkaräter innerhalb von einer Minute, das Momentum schien wieder zugunsten der Gastgeber zu kippen.
Es kam allerdings ganz anders: Rios Alonso glich per Kopf aus (79.), unmittelbar darauf rannte RWE erneut an und Behrens erwischte bei einer verunglückten Faustabwehr seinen Gegenspieler. Elfmeter Essen, Behrens war mit seinen Fingern dran, doch der Schuss von Semir Telalovic schlug im Netz ein (82.). 2:3, Spiel gedreht.
Doch das Drama war noch nicht vorbei, ein finaler Schlussakt fehlte noch: Nach Einwurf-Flanke von Paetow landete der Ball beim zuvor erst eingewechselten Joshua Mees. Der Offensivmann stand zum ersten Mal seit der bitteren Verletzung beim Auftakt in Wiesbaden auf dem Platz und drückte das Spielgerät über die Linie (87.). Ekstase auf den Rängen, der erneute Preußenwahnsinn war komplett.
Preußentrainer Tom Wörle: „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, mit den richtigen Zutaten für so ein Spiel: Dominanz und Geschlossenheit gegen den Ball, dazu machen wir die Tore, was uns natürlich Rückenwind gibt. Auch nach der Pause sind wir gut reingekommen, kassieren aber zu leicht das Gegentor. Danach wackeln wir ein wenig, finden aber die richtige Antwort und können das Spiel für uns entscheiden. Plötzlich steht es 2:3 und wir fragen uns, wie das passieren kann. Wie wir aber zurückgekommen sind – das ist einfach Preußen Münster. Insgesamt habe ich einen couragierten Auftritt gesehen. Es gab viel, das wir für die kommenden Wochen mitnehmen können.“
Spieldaten
Aufstellung SCP: Behrens – Paetow, Zeller, Tikvic – Rösch (Demirhan, 86.), Althaus (Schulz II, 86.), Maier, Varelmann – Ndikom (Mees, 74.), Higl (Stuhlmacher, 86.), Makridis (Kolbe, 74.)
Aufstellung RWE: Golz – Hofmann (Kostka, 72.), Hüning, Rios Alonso, Bouebari – Sietan, Celebi (Pesch, 61.) – Obuz (Abiama, 61.), Telalovic, Brumme (Dardari, 72.) – Janssen (Reisig, 85.)
Tore: 1:0 Ndikom (16.) 2:0 Higl (38.) 2:1 Janssen (61.) 2:2 Rios Alonso (79.) 2:3 Telalovic (82., FE) 3:3 Mees (87.)
Gelbe Karten: Ndikom, Varelmann / Bouebari, Hofmann, Sietan
Schiedsrichter: Felix Bickel
Zuschauer: 13.945
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen



