Erlösung, Erleichterung, pure Freude: Dank eines späten Treffers von Luca Zeller fährt der SC Preußen einen 2:1-Heimsieg gegen den TSV Havelse ein. Zuvor lieferten die Adlerträger einen energischen Beginn inklusive früher Führung, bevor das Spiel immer zerfahrener wurde und der Gast folgerichtig zum Ausgleich kam. In der Schlussphase investierte die Elf von Thomas Wörle aber mehr und erarbeitete sich so den ersten Sieg vor heimischer Kulisse seit mehr als zehn Monaten.

Auf die Niederlage in Köln reagierte das Trainerteam mit drei Wechseln: Neben Torge Paetow, der für Mal Zeller in die Dreierkette rückte, begannen auch Leon Tasov und Marvin Schulz II anstelle von Louis Kolbe und Wesley Adeh. Die beiden Eigengewächse feierten damit ihr Startelf-Debüt in der 3. Liga.

Der agile Schulz war es auch, der nach gerade einmal drei Minuten die erste Duftmarke setzte. Von Babis Makridis per Diagonalball eingesetzt, ließ der Youngster seinen Gegenspieler mit einer starken Ballmitnahme stehen und fackelte nicht lange – daneben! Zwei Zählerumdrehungen später war es der Vorlagengeber selbst, der einen schönen Preußenangriff mit dem ersten Torschuss der Partie vollendete. Der Abschluss kam jedoch zu zentral, TSV-Keeper Omer Hanin ohne Probleme. Wiederum drei Minuten später konnte der Gästetorwart allerdings nur hinterherschauen, als Antonio Tikvic die druckvolle Anfangsphase des SCP mit einem Hammer aus über 30 Metern belohnte. Nach einer herrlichen Flugkurve segelte der Ball vom Innenpfosten ins Netz. Ein Traumtor des Innenverteidigers, der nach seinem ersten Treffer im Adlertrikot sichtlich mit den Emotionen zu kämpfen hatte.

Die Hausherren machten den frischeren Eindruck, agierten gegen den Ball gleichermaßen fokussiert und aggressiv. Vor allem nach Ballverlusten war die Mannschaft von Tom Wörle hellwach, wodurch der TSV Havelse 27 Minuten lang zu keinem einzigen Torabschluss kam. Dann allerdings nach Einladung der Adlerträger, die unter Druck den vorpressenden Leon Sommer anspielten, der direkt auf Alexander Guiddir weiterleitete. Paetow war jedoch zur Stelle, um den schnellen Schuss zu blocken. Wieder einmal machte sich das schnelle Umschalten der Preußen bezahlt.

Mit dem Ball fehlte es jedoch immer mehr an Ideen. Trotz leichter Ballbesitzvorteile (55 %) verlor der SCP zunehmend die Spielkontrolle. Unterdessen wurde der Gast aktiver und verpasste in Person von Guiddir nur haarscharf den Ausgleich (32.). Der 19-Jährige machte es kurz darauf besser, entwischte Paetow nach einem langen Ball von Hanin und versenkte das Spielgerät aus halblinker Position (35.). Der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten, denn noch vor dem Pausenpfiff musste Kapitän Niko Koulis vom Feld. Für ihn kam Zeller in die Partie.

Ohne weitere nennenswerte Ereignisse ging es in die Kabinen, ohne Wechsel in den zweiten Durchgang. Dafür mit etwas mehr Schwung: Und wieder war es Schulz, der den ersten Abschluss suchte. Dieses Mal brauchte er nur 50 Sekunden, zog jedoch deutlich weiter am Kasten vorbei. Die Preußen waren nun endlich wieder das spielbestimmende Team. Allerdings mangelte es an klaren Torchancen. Gefährlich wurde der SCP erst wieder in der 66. Spielminute und das durch einen Standard. Nach einer weiten Einwurf-Flanke wäre Makridis aus kurzer Distanz einschussbereit gewesen, bekam das Leder aber im letzten Moment von Sommer weggestochert.

In der Schlussphase erhöhte Münster noch einmal den Druck und ruhende Bälle blieben ein probates Mittel. Insbesondere die Freistöße von Ryan Johannson lösten beim Gegner Verunsicherung aus. Samuel Althaus, der – wie der unter der Woche verpflichtete Philipp Maier – eingewechselt wurde, kam so zum Abschluss aus elf Metern (83.). Wenige Minuten später rutschte eine Hereingabe aus dem Halbfeld bis auf den zweiten Pfosten durch, wo Zeller bereitstand und mit seinem Kopfball über Hanin das LVM-Preußenstadion zum Beben brachte (87.).

Ein Siegtreffer, den vielleicht nicht jeder der 12.114 Zuschauer mehr erwartet hatte, der aber den Kampfgeist der Wörle-Elf belohnte und pure Erleichterung im Preußenumfeld auslöste. Die Adlerträger gewinnen zum ersten Mal seit dem 31. Oktober 2025 (2:1 gegen Holstein Kiel) wieder ein Heimspiel.

Preußentrainer Thomas Wörle: „Wenn man ins Stadion kommt, will man entweder super Fußball oder Energie sehen: eine Mannschaft, die ihr Herz auf dem Platz lässt. Genau das hat meine Mannschaft heute getan. Deswegen freuen wir uns über einen Sieg des Kampfes und des Willens. Das nehmen wir mit für unsere noch junge Entwicklung.“

Spieldaten

Aufstellung SCP: Behrens – Paetow, Koulis (Zeller, 39.), Tikvic – Tasov (Kolbe, 84.), Preißinger (Maier, 62.), Johansson, Varelmann – Schulz (Althaus, 62.), Higl, Makridis (Demirhan, 84.)

Aufstellung HAV: Hanin – Duah (Svitek, 90.+1), Belkahia, Mausehund – Sommer, Voufack (Grzywacz, 73.), Berger (Velasco, 90.+1), Tugbenyo, Schuhmacher – Wriedt (Paldino, 73.), Guiddir

Tore: 1:0 Tikvic (9.) 1:1 Guiddir (35.) 2:1 Zeller (87.)

Gelbe Karten: Preißinger / Wriedt, Berger, Mausehund

Schiedsrichter: Martin Wilke

Zuschauer: 12.114

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